Eine Drohne stürzt auf ein Haus, Menschen sterben, auch Zivilisten. Sogenannte gezielte Tötungen, bei denen viele Unbeteiligte sterben, bleiben in Erinnerung. Sie fallen vielen Afghanen sofort ein, wenn sie an einen Abzug der Nato denken. Den Krieg mögen sie nicht, denn er bringt "Unheil" über ihr Land. Saidullah Peiwand kennt viele, die so denken. Und auch er, der Mitarbeiter der Unabhängigen Afghanischen Menschenrechtskommission, wünscht sich, dass die ausländischen Truppen bald das Land verlassen. "Die Menschenrechtslage wird sich verbessern", ist er überzeugt. Er weiß, wie oft in diesem Krieg Menschenrechte verletzt wurden.

Peiwand wünscht sich den Abzug, auch wenn sich für ihn persönlich dadurch Nachteile ergeben. Wie viele andere Menschenrechtler, Politiker, Geschäftsleute, Journalisten und Entwicklungshelfer hat er eng mit den Ausländern aus dem Westen zusammengearbeitet. Er traf sich mit ihnen und verteidigte oft ihre Positionen. Wenn die Nato einmal weg ist, haben diese Menschen niemanden mehr, der sie schützt. Sie fürchten dann Racheakte der Tailban oder Warlords.

Doch der Abzug rückt näher. In dieser Woche werden drei Provinzen und vier Städte an die afghanischen Sicherheitskräfte übergeben. Und US-Präsident Barack Obama hat im Juni eine konkrete Zahl genannt: 2012 soll bereits ein großer Teil der amerikanischen Soldaten abziehen, ab 2014 dann alle Kampftruppen.

Auch jetzt ist es gefährlich, sich in Afghanistan für Menschenrechte einzusetzen und mächtige Menschen zu kritisieren. Diese Gefahr nehmen Parlamentarierinnen wie Fausia Kufi oder Menschenrechtler wie Fahim Hakim zwar gerne in Kauf, um ihre Ziele zu erreichen. Aber keiner mag sich so recht vorstellen, wie es ohne die Nato wird.

Viele Exil-Afghanen, wie der Anwalt Karim Popal, haben sich in den vergangenen Jahren klar positioniert. "Natürlich habe ich Angst", sagt Popal. Schließlich habe er sich in Afghanistan immer wieder öffentlich als Demokrat bekannt gemacht. "Ich habe ununterbrochen das deutsche Justizsystem propagiert", sagt er. Nun befürchtet er, künftig nicht mehr in seine Heimat reisen zu können.

Die Sorge vieler Afghanen vor dem Abzug hat auch materielle Gründe: Geschäftsleute, die ihre wichtigsten Abnehmer bei der Nato hatten, müssen damit rechnen, ihre Unternehmen nicht erhalten zu können. Besonders betroffen sind Firmen für Sicherheitstechnik, aber auch Übersetzer und all die anderen, die direkt für die Nato tätig waren, verlieren ihre Arbeit.