Der frühere Chefredakteur des wegen des Abhörskandals eingestellten Boulevardblatts News of the World, Andy Coulson, hat vor seiner Einstellung als Sprecher des britischen Premierministers David Cameron nicht die strengen Sicherheitsprüfungen durchlaufen, die von der Mehrzahl seiner Vorgänger in diesem Amt absolviert werden mussten. Das berichtet der britische Guardian.

Coulson wurde lediglich einer Standard-Überprüfung auf mittlerer Sicherheitsstufe unterzogen. Das heißt, er konnte unter anderem einer gründlichen Befragung durch Sicherheitsbeamte entgehen, die in seiner Vergangenheit nach kompromittierenden Details geforscht hätten. Zu den strengen Überprüfungen Coulsons hätte zudem eine Übersicht seiner persönlichen Finanzen gehört.

Amtsvorgänger wurden strenger geprüft

Alastair Campbell und Dave Hill, die in der gleichen Position unter Tony Blair beschäftigt waren, sowie Michael Ellam, der den Job für Gordon Brown gemacht hatte, musste alle diese strengen Sicherheitsprüfungen über sich ergehen lassen.

Cameron zufolge hätte Coulson den "Basis-Level" der Sicherheitsprüfungen durchlaufen und wäre nicht befugt gewesen, die "geheimsten Dokumente der Regierung" einzusehen. "Alles ist sauber abgelaufen, er ist auch in den Verhaltenskodex eingewiesen worden, den engere Berater unterliegen." 

Der britische Premierminister war in die Kritik geraten, weil er Coulson zu seinem Berater und Regierungssprecher gemacht hatte. Dadurch wäre seine eigene Unabhängigkeit in den Ermittlungen zum Abhörskandal unterminiert worden, bemängelte die Opposition. Denn Coulson soll womöglich während seiner Zeit bei dem Blatt über die dortigen Abhör- und Bestechungsmethoden informiert gewesen sein.

In einer Sondersitzung des Parlaments zum Abhörskandal hatte Cameron die Anstellung des früheren Chefredakteurs von News of the World als Pressechef bedauert. "In der Rückschau" hätte er Andy Coulson nicht eingestellt, sagte Cameron am Mittwoch. Die Opposition hielt ihm entgegen, alle frühzeitigen Warnungen ignoriert zu haben. Labour-Chef Ed Miliband verlangte eine Entschuldigung. Es waren sogar Forderungen nach seinem Rücktritt laut geworden, gegen die sich Cameron nun aber nach Meinung der meisten Beobachter vehement und mit Erfolg verteidigt hat.