In Zentralamerika aktiv sind die mexikanischen Kartelle schon seit der Zerschlagung der kolumbianischen Kartelle von Medellin , Cali und Norte de Valle. Die Nachschub-Routen durch Guatemala teilten sich ab 2005 der Chef des mexikanischen Sinaloa-Kartells, Joaquin "El Chapo" Guzmán , und seine Rivalen vom Golfkartell, erklärt Sas. "El Chapo", der es 2009 und 2010 in die "Forbes"-Liste der reichsten Männer der Welt schaffte, übernahm die Routen an der Pazifikküste, die Männer des Golfkartells die am Atlantik. Beide Organisationen verließen sich dabei auf die Dienste guatemaltekischer Gruppen wie "Los Leones" und "Los Mendoza".

In diese etablierten Geschäftsbeziehungen drängen seit 2007 die "Zetas", ehemalige Elitesoldaten der mexikanischen Armee, die 1999 die Seiten wechselten und sich beim Golf-Kartell als Auftragsmörder verdingten. Nachdem der Chef dieser Organisation festgenommen wurde, machten sie sich selbständig und liefern sich seither mit den übrigen kriminellen Organisationen Mexikos eine blutige Fehde über die Landesgrenzen hinweg.

In Guatemala hätten sie in nur fünf Jahren das Golf-Kartell vom Markt gedrängt, sagt Sas. Nun steht ein Kampf auf Leben und Tod mit der Sinaloa-Organisation bevor. Für die Zukunft erwartet der Drogenexperte deshalb noch mehr Blutvergießen. Die internationale Expansion der "Zetas" geht unterdessen weiter: Ihre Abgesandten wurden bereits in Honduras, Venezuela und Panama gesichtet.

Mit Schrecken beobachten die Guatemalteken, wie der Drogenkrieg das von Jugendbanden, den Maras, ohnehin schon malträtierte Land weiter ausblutet. In Mexiko, wo der Krieg zwischen den Kartellen in den letzten viereinhalb Jahren 35.000 Todesopfer forderte, liegt die Mordrate bei 18 pro 100.000 Einwohner. In Guatemala waren es 2010 laut nationaler Polizei 42, eine Quote, die von Honduras (76) und El Salvador (65) sogar noch übertroffen wird. Viele ältere Guatemalteken fühlen sich an die Zeiten des Bürgerkriegs von 1960 bis 1996 erinnert, in dem 250.000 Menschen ihr Leben ließen. "Damals war es wegen einer Ideologie, heute ist es wegen des Drogenhandels", sagt Sas.

Die Politik reagiert nur langsam auf die Bedrohung durch die mexikanischen Kartelle. Auf einer Sicherheitskonferenz, die kürzlich in Guatemala-Stadt stattfand, verbreiteten die Staatschefs der Region vor allem Absichtserklärungen. Die internationale Staatengemeinschaft sicherte immerhin Kredite in Höhe von zwei Milliarden Dollar zu. US-Außenministerin Hillary Clinton, deren Land bisher hauptsächlich Mexiko und Kolumbien unterstützte, kündigte eine Erhöhung der jährlichen Zuschüsse für die Drogenbekämpfung in Zentralamerika auf 300 Millionen Dollar an. "Konkrete Abkommen zur stärkeren Koordinierung der Drogenbekämpfung wurden aber nicht unterschrieben", kritisiert Sas.

Immer mehr Experten geben den Krieg gegen die Drogen bereits verloren. "Der weltweite Marihuana-Konsum ist zwischen 1998 und 2008 um acht Prozent, der von Kokain sogar um 27 Prozent gestiegen", stellten die Mitglieder der "Globalen Komission für Drogenpolitik", unter ihnen Ex-UN-Generalsekretär Kofi Annan, Anfang Juni in New York fest. Die Empfehlung der Experten: "Die politischen Führer der Region sollten endlich öffentlich äußern, was viele von ihnen insgeheim wissen: Repressive Strategien werden das Drogenproblem nicht lösen." Und beispielsweise eine Legalisierung von Marihuana ins Auge fassen.