Der libysche Machthaber Muammar al-Gadhafi hat in einer Rede damit gedroht, den Krieg nach Europa zu tragen. Sollte die Nato ihre Angriffe nicht einstellen, dann könnten die Libyer "wie Heuschrecken" über Europa herfallen. "Eure Häuser, Büros, Familien würden legitime militärische Ziele werden, so wie Ihr unsere Häuser angegriffen habt", zitierte die britische BBC den libyschen Machthaber. Wenn sich die Nato nicht zurückziehe, werde das großartige libysche Volk den Staaten des Bündnisses eine "Katastrophe" bescheren, drohte er in einer Audio-Botschaft an seine Anhänger, die sich am Freitag zu tausenden auf dem Grünen Platz in Tripolis versammelt hatten. Der BBC-Reporter sprach von einer der größten Kundgebungen in der libyschen Hauptstadt seit Langem.

In Washington erklärte der Sprecher des Außenministeriums, Mark Toner, die USA würden die Drohungen ernst nehmen. Gadhafi sei jemand, der diese Drohungen umsetzen könne, zitierte ihn der Nachrichtensender CNN. Das mache ihn so gefährlich. Allerdings neige der libysche Machthaber auch zu rhetorischen Übertreibungen.

US-Außenministerin Hillary Clinton forderte den libyschen Machthaber erneut zum Rückzug auf. Statt "Drohungen" gegen Europa auszusprechen, solle Gadhafi "das Wohlergehen und die Interessen seines eigenen Volkes an die erste Stelle setzen", sagte Clinton in Madrid.

In seiner teils wirren Rede bezeichnete Gadhafi den italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi und den französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy jeweils als "mein armer Freund". US-Präsident Barack Obama nannte er "meinen Sohn". "Oh Welt, höre die Stimme des freien Volkes", rief Gadhafi. "Dies ist ein historischer Tag."

Die Nato setzte einem BBC-Bericht zufolge ihre Angriffe auf die libysche Hauptstadt Tripolis fort. Wie die Militärallianz am Freitagabend auf ihrer Website mitteilte, erhöhte sie in den vergangenen Tagen mit Angriffen auf Ziele in Westlibyen weiter den Druck auf das Regime. Seit dem 27. Juni seien mehr als 50 militärische Ziele in dieser Region zerstört worden, hieß es in der Mitteilung. Die libyschen Aufständischen, die im Juni von Frankreich Waffen per Fallschirm geliefert bekommen hatten, sprechen seit Wochen von Plänen für einen Vormarsch bis zur Hauptstadt Tripolis.