Angesichts massiver sozialer Proteste in Israel hat Regierungschef Benjamin Netanjahu eine "gewaltige" Reform versprochen. Diese werde die "Riegel sprengen", die bislang den Bau neuer Wohnungen blockierten. Die nötigen Gesetzesänderungen sollten bereits in der kommenden Woche vom Parlament beschlossen werden.

Nach dem Abbau bürokratischer Hürden könnten innerhalb von anderthalb Jahren 50.000 neue Wohnungen gebaut werden, sagte der Regierungschef. Zusätzlich plant die Regierung den Bau von 10.000 Wohnungen in Studentenwohnheimen. "Das Wohnproblem in Israel ist echt", sagte Netanjahu. "Jeder, der Augen im Kopf hat, kann das sehen."

In Israel sind die Immobilienpreise seit 2008 im Durchschnitt um etwa 50 Prozent gestiegen. Ein Grund dafür sind nach Einschätzung der Notenbank die zeitweise sehr billigen Hypothekenzinsen. Vor allem Studenten und junge Paare leiden unter dem Wohnungsmangel.

Demonstranten blockieren landesweit Straßen

Zehntausende Menschen demonstrierten in den vergangenen zwei Wochen gegen steigende Mieten. Auf den Rothschild-Boulevard im Zentrum von Tel Aviv zelten Hunderte Menschen. Am gestrigen Montag blockierten Demonstranten im ganzen Land Straßen, eine Parlamentssitzung musste daraufhin unterbrochen werden. Außerdem streiken Ärzte seit vier Monaten für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen.

Viele Israelis sympathisieren mit den Demonstranten. Eine Umfrage der Zeitung Haaretz ergab, dass 87 Prozent der Befragten die Proteste unterstützten, 54 Prozent zeigten sich unzufrieden mit dem Umgang Netanjahus mit der Krise. Es sind die bedeutendsten sozialen Proteste in dem Land seit Anfang der siebziger Jahre. Damals waren die Menschen gegen die Diskriminierung arabischer Juden auf die Straße gegangen.