Der Beginn des arabischen Frühlings fand in Israel kaum Beachtung. Tunesien ist schließlich weit weg, jenseits von Israels strategischem Radarschirm. Als aber die Proteste auf Ägypten übergriffen, änderte sich die Reaktion schlagartig, denn Frieden mit Ägypten ist einer der Grundpfeiler der israelischen Sicherheitsdoktrin. Dass Hosni Mubarak der Boden unter den Füßen weggezogen werden könnte, löste in Israel Angst, mitunter Panik aus. Die Vehemenz, mit der Jerusalem reagierte, lässt sich nicht einfach mit Trotz erklären. Und schon gar nicht mit der so oft zitierten Freundschaft Mubaraks mit Israel.

Ganz im Gegenteil: In vielerlei Hinsicht verfolgte Mubarak eine Politik, die aus israelischer Warte nur als feindselig verstanden werden konnte. Den Medien gebot er keinen Einhalt, wenn sie antisemitische Propaganda verbreiteten – gleichzeitig war es aber ein Straftatbestand, Mutmaßungen über den Gesundheitszustand des ägyptischen Machthabers anzustellen. Mubarak ordnete die Verhaftung angeblicher israelischer Spione an und ließ sie in Schauprozessen verurteilen.

Er scheute sich auch nicht, internationale antiisraelische Initiativen zu unterstützen. Er schaute weg, wenn Raketen nach Gaza geschmuggelt wurden, die später von der Hamas auf israelische Zivilisten abgefeuert wurden. Mit Ausnahme der Beerdigung Jitzchak Rabins lehnte er es ab, einen Fuß auf israelischen Boden zu setzen. Dennoch: Mubarak war berechenbar, denn er war davon überzeugt, dass die Wahrung des Friedens mit Israel im Interesse Ägyptens ist, und aus dieser Überzeugung handelte er.

Auf die Alternativen zum System Mubarak trifft das nicht zu. Sie sind heute ebenso unberechenbar, wie sie es am 25. Januar 2011 waren. Einige Israelis klammern sich an die Hoffnung, dass sich am Ende die Demokratie in Ägypten durchsetzen wird – oder dass zumindest die ägyptische Armee weiterhin eine wichtige Rolle spielt. Andere dagegen befürchten, dass radikale Nationalisten oder die Islamisten die Macht übernehmen und Ägyptens Interessen völlig neu definieren werden – zuungunsten Israels.

Israel steht mit seinem Unbehagen angesichts der Entwicklung Ägyptens nicht allein da: Ägyptische Liberale, Säkularisten und Frauenrechtler machen keinen Hehl daraus, dass sie die für November angesetzten Parlamentswahlen für verfrüht halten: Bis November, so ihr Argument, sei es kaum möglich, den organisatorischen Vorsprung der Muslimbrüder aufzuholen. Die Revolution drohe denen, die sie angeführt haben, entwunden zu werden.