Im Grenzstreit mit Serbien hat das Kosovo nachgegeben. Die Behörden haben Spezialpolizisten von zwei umstrittenen Grenzübergängen abgezogen, berichteten serbischen Medien. Zuvor hatte die EU beide Seiten zum Dialog aufgerufen.

Schwer bewaffnete kosovarische Sonderpolizisten hatten am vergangenen Montag kurz vor Mitternacht die beiden Grenzübergänge Brnjak und Jarinje eingenommen, die bis dahin von der EU-Rechtsschutzmission (Eulex) und kosovarischen Polizisten serbischer Abstammung kontrolliert worden waren. Auf diese hatte die Regierung in Pristina allerdings keinen Einfluss.

Als Antwort auf die Einnahme der Grenzübergänge blockierten Angehörige der serbischen Minderheit zwei Transitstraßen, sodass der Verkehr von und nach Serbien unterbrochen wurde.

Hintergrund des Grenzstreits ist, dass Serbien Zollstempel aus dem Kosovo nicht akzeptiert, da es dessen Unabhängigkeit nicht anerkennt. So können Waren aus dem Kosovo seit 2008 nicht nach Serbien gelangen. Am vergangenen Mittwoch hatte das Kosovo darauf mit einem Importverbot für serbische Waren und später mit der Entsendung von Spezialkräften der Polizei reagiert. Auch nach dem Abzug der Sonderpolizisten bleibt unklar, wer in Zukunft die beiden Grenzübergänge kontrolliert. Beide Seiten beanspruchen dieses Recht für sich.

Serbien empört über Polizeieinsatz

Die serbischen Behörden hatte den Polizeieinsatz als "einseitige" Maßnahme verurteilt. Der in Serbien für den Dialog mit dem Kosovo verantwortliche Borko Stefanović sprach von einer Provokation der im Kosovo lebenden Serben. Kosovo begründete den Einsatz damit, sein Importverbot an den Grenzübergängen Brnjak und Jarinje überprüfen zu wollen. Der kosovarische Innenminister Bajram Rexhepi sagte, die Regierung habe Informationen gehabt, wonach weiterhin Waren aus Serbien über die zwei Grenzübergänge in das Kosovo gelangt seien. Es sei darum gegangen, im Kosovo "einen Rechtsstaat zu etablieren und die Souveränität des Landes durchzusetzen“

Ashton kritisiert Kosovo

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton kritisierte das Vorgehen des Kosovo als "nicht sehr hilfreich". Die Entscheidung sei ohne vorherige Absprache getroffen worden, sagte ihre Sprecherin in Brüssel. "Wir heißen das nicht gut." Die Lage müsse sich jetzt wieder beruhigen, damit beide Seiten das Problem im Dialog lösen könnten. Die im Kosovo stationierte Nato-Truppe mobilisierte nach eigenen Angaben eine Anzahl von Einheiten, die wenn nötig intervenieren können.

Die Regelung des Streits ist eine der Voraussetzungen dafür, dass Serbien den EU-Beitrittskandidatenstatus erhält. Wegen des Streits ruhen momentan die von der EU vermittelten Verhandlungen zwischen beiden Seiten.