Bei gewaltsamen Auseinandersetzungen an der Grenze zwischen Kosovo und Serbien ist ein Polizist gestorben. Mehrere Menschen wurden verletzt. Berichten der BBC und der Nachrichtenagentur Associated Press zufolge ist der Polizist bei einem Schusswechsel verletzt worden. Später sei er trotz zweier Operationen seinen Verletzungen erlegen, sagte ein Polizeisprecher in Prishtinë, der Hauptstadt Kosovos.

Hintergrund der Auseinandersetzung ist, dass Serbien die Unabhängigkeit Kosovos nicht anerkennt und dadurch keine Waren aus dem Land nach Serbien importiert werden dürfen. Die Kosovo-Regierung hat daraufhin ihrerseits ein Importverbot für serbische Waren verhängt.

Die nördliche Provinz Kosovos wird überwiegend von einer serbischen Minderheit bewohnt, die sich weigerte, das Importverbot für serbische Waren durchzusetzen. Daraufhin ließ die Kosovo-Regierung in Prishtinë zwei Grenzübergänge im Norden des Landes von schwer bewaffneten kosovarischen Sonderpolizisten besetzen, um das Importverbot zu vollstrecken.

Als Antwort blockierten Angehörige der serbischen Minderheit zwei Transitstraßen, sodass der Verkehr von und nach Serbien unterbrochen wurde. Zuvor wurden die beiden Grenzübergänge Brnjak und Jarinje von der EU-Rechtsschutzmission (Eulex) sowie serbischen Zöllnern und Polizisten kontrolliert.

Kosovarischer Regierungschef will "Recht und Ordnung" 

Die Nato, die EU und die USA riefen beide Seiten zur Mäßigung auf. Sie sollten wieder zu Verhandlungen zurückkehren. Der Oberbefehlshaber der internationalen KFor-Schutztruppe, der deutsche General Erhard Bühler, versicherte, seine Soldaten würden keine Eskalation der Gewalt zulassen. Am Dienstag hieß es zunächst, die Sondereinheit der kosovarischen Polizei habe sich zurückgezogen. Die Lage bleibt dennoch angespannt und unübersichtlich.

Der kosovarische Regierungschef Hashim Thaçi verteidigte die Polizeiaktion: mit ihr seien "Recht und Ordnung" und die Souveränität auf dem gesamten Staatsgebiet wieder hergestellt worden. "Wir können nicht gleichgültig bleiben und erlauben, dass dieses Gebiet unseres Territoriums ein schwarzes Loch bleibt", sagte Thaçi laut Associated Press.

Politiker und Medien in Serbien beschuldigten die USA und Teile der EU, hinter den Polizeiaktionen der Kosovo-Regierung zu stehen. Die Kosovo-Sonderpolizei habe nur mit stiller Billigung der USA und EU die beiden Grenzübergänge einnehmen können, kommentierten mehrere Zeitungen übereinstimmend. Serbiens Innenminister Ivica Dacic äußerte sich Medienberichten zufolge ähnlich.

Im Kosovo stellen die Albaner mit 90 Prozent der Bevölkerung die Mehrheit. Die serbische Minderheit hält mehrheitlich den Norden des Landes. Die Zentralregierung hat dort keinen oder nur wenig Einfluss.