Einheiten der Nato-Truppe KFor haben die Kontrolle über den durch Ausschreitungen verwüsteten kosovarischen Grenzübergang Jarinje übernommen. Auch am zweiten Grenzübergang zu Serbien, Brnjak, übe die KFor jetzt "Kommando und Verantwortung" aus, teilten die internationalen Truppen mit. Die kosovarische Regierung meldete, die KFor habe die vollständige Kontrolle über den Norden des Landes übernommen.

An den beiden Grenzübergängen dürften nur noch kleine Privatfahrzeuge passieren, teilte die KFor mit. Auch diese würden von KFor-Soldaten nach möglicherweise versteckten Waffen oder illegalen Waren durchsucht. Lastwagen dürften die Grenzübergänge bis auf Weiteres nicht passieren. Auch in Brnjak herrschte Ruhe. Dort hatten am Vortag Zöllner und Grenzpolizisten des Kosovos ihren Dienst angetreten. Zuvor hatte die Regierung in Prishtinë diese Grenzstelle durch Spezialpolizisten einnehmen lassen. Vor Beginn der Zwischenfälle war der Grenzposten durch Zöllner der europäischen Polizeimission Eulex sowie kosovarischen Polizisten serbischer Abstammung kontrolliert worden.

Auslöser der Unruhen war ein von Kosovo verhängtes Importverbot für serbische Waren. Am Mittwochabend hatten Dutzende von Jugendlichen, die der serbischen Minderheit in Kosovo angehören, den Grenzposten Jarinje mit Molotowcocktails in Brand gesetzt. Nach Angaben der KFor schossen sie auch auf Nato-Soldaten. Die Nacht verlief laut der kosovarischen Regierung bis auf "vereinzelte Spannungen" weitgehend ruhig.

Serbiens Präsident Boris Tadić appellierte an seine Landsleute, auf weitere Gewalt zu verzichten. Kosovos Regierungschef Hashim Thaçi lehnte alle Kompromissvorschläge ab, solange Serbien Waren mit einem Importverbot belegt.

Russland drängt auf Debatte im Sicherheitsrat

Der UN-Sicherheitsrat, in dem Deutschland derzeit den Vorsitz hat, will am Donnerstag über die Krise beraten. Dazu reiste Serbiens Außenminister Vuk Jeremić nach New York. Nach inoffiziellen Informationen ist der Sicherheitsrat gespalten: Während China und Russland auf Seiten der Serben stünden, zeigten die USA und Großbritannien Verständnis für die Position der Kosovo-Albaner, hieß es.

Am späten Nachmittag (Ortszeit) wird der für alle Blauhelm-Einsätze verantwortliche Untergeneralsekretär Alain Le Roy den Rat über die Vorfälle informieren. Die Nato-Staaten wollen den Streit um die Grenzübergänge weitgehend aus dem Rat heraushalten. Russland hingegen drängt – offenbar als Fürsprecher von Serbien – auf eine Debatte in offener Sitzung. Wenn sich die Vetomacht durchsetzt, könnte der Sicherheitsrat am Freitag, dem letzten Arbeitstag der deutschen Präsidentschaft, über den Konflikt debattieren.

"Die Lage muss vor Ort gemeinsam mit KFor und Eulex deeskaliert werden", sagte Deutschlands UN-Botschafter Peter Wittig. Die Widersprüche könnten nur zwischen Belgrad und Prishtinë gelöst werden. "Dieser Dialog unter Leitung der Europäischen Union ist das richtige Forum, um auch die aktuellen Fragen zu behandeln."