Auf der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa sind mehr als tausend Bootsflüchtlinge aus Libyen angekommen. Wie die Nachrichtenagentur Ansa meldete, erreichten 1.041 Menschen an Bord von vier Booten die Küstengewässer, unter ihnen 122 zum Teil schwangere Frauen und 33 Kinder. Boote der italienischen Küstenwache und des Zolls brachten die Flüchtlinge zu Aufnahmestationen der Insel.

Die Flüchtlinge sollten rasch nach Sizilien und auf das italienische Festland gebracht werden, um in anderen Flüchtlingslagern unterzukommen. Ein geplanter Besuch des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi auf Lampedusa wurde dennoch kurzfristig abgesagt. Der Premier wolle vermeiden, die Hilfsmaßnahmen durch seine Anwesenheit zu behindern, teilte die Regierungszentrale in Rom mit. Laut Medienberichten wollte Berlusconi die Insel zur Freihandelszone erklären.

Angela Maraventano, Vizebürgermeisterin von Lampedusa, bedauerte die Absage. Die kleine Insel kämpft seit Langem um politische Aufmerksamkeit und Hilfe. Wegen der vielen Flüchtlinge, die auf der Insel ankommen, reisen seit Beginn des Jahres deutlich weniger Touristen nach Lampedusa als sich die Regierung erhofft hatte.

Italien und vor allem Lampedusa sind seit dem Beginn der Unruhen in Nordafrika verstärkt Anlaufstelle für Migranten und Flüchtlinge aus dem Mittelmeerraum. Seit Januar strandeten mehr als 43.000 Menschen an italienischen Küsten, über 33.000 auf Lampedusa. Etwa 130 Kilometer von der tunesischen Küste entfernt, ist die lediglich 20 Quadratkilometer große Insel seit Jahren für viele verzweifelte Bootsflüchtlinge das ersehnte "Tor nach Europa".