Die libyschen Rebellen haben nach eigenen Angaben die strategisch wichtige Hafenstadt Brega weitgehend eingenommen. Nur auf einer Ölanlage hätten sich weitere Kämpfer von Machthaber Muammar al-Gadhafi verschanzt gehalten, sagte ein Sprecher.

Ein Großteil der Regierungstruppen zog sich nach Angaben der Rebellen in Richtung der westlich gelegenen Stadt Ras Lanuf zurück. Nur noch 150 bis 200 Gadhafi-Getreue würden in Brega ausharren, allerdings seien sie von der Versorgung abgeschnitten. Die Aufständischen hatten ihre Offensive auf die Hafenstadt am Donnerstag begonnen, die seit April unter der Kontrolle von Gadhafis Truppen gestanden hatte. Die vollständige Rückeroberung wäre ein großer Erfolg für die Rebellen, da sie Zugriff auf Treibstoffreserven und Zugang zu einer Infrastruktur im Ölexport erhalten würden.

Die EU-Außenminister diskutierten derweil in Brüssel, wie in der EU eingefrorenes Vermögen der Gadhafi-Regierung den libyschen Rebellen überwiesen werden könne. "Wir müssen rechtlich korrekte Mittel finden, dass es eben auch dem Volk zur Verfügung gestellt werden kann", sagte Außenminister Guido Westerwelle (FDP). Das Geld solle der medizinischen Versorgung oder zur Betreuung von Flüchtlingen dienen.

Russland weiter gegen Anerkennung

Russlands Außenminister Sergej Lawrow bekräftigte die Ablehnung Moskaus, die Rebellen als legitime Vertretung des libyschen Volks anzuerkennen. Die internationale Libyen-Kontaktgruppe hatte den Nationalen Übergangsrat der Aufständischen vergangene Woche als offizielles Organ mit Regierungsvollmacht anerkannt. Damit ergreife der Westen in einem Bürgerkrieg für eine Seite Partei, kritisierte Lawrow. Er wies auch Spekulationen westlicher Medien zurück, dass Russland bereit sei, Gadhafi und seiner Familie politisches Asyl zu gewähren.

Kampfflugzeuge der Nato zerstörten eine Radaranlage auf dem größten Flughafen der libyschen Hauptstadt Tripolis. Das Radar habe ursprünglich zur Kontrolle von zivilen Flugzeugen gedient, sei jedoch nun von Gadhafis Einheiten zum Aufspüren von Nato-Flugzeugen genutzt worden, teilte die Militärallianz in Brüssel mit. Zudem seien mithilfe der Radaranlage die Einsätze der Gadhafi-Truppen koordiniert worden.