Frage: Vor fast genau vier Monaten begann der internationale Militäreinsatz zur Unterstützung der libyschen Rebellen im Kampf gegen das Gadhafi-Regime. Herr Perthes, ist der Konflikt noch militärisch zu lösen?

Volker Perthes: Er wird nicht militärisch gelöst, sondern militärisch entschieden werden. Die Nato kann es sich gar nicht leisten, die Aktion abzubrechen und praktisch eine Niederlage zu erklären. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis das Gadhafi-Regime stürzt, implodiert oder Teile der Gadhafi-Familie sich darauf einlassen, ins Ausland zu gehen. Das ist dann nicht durch politische Überzeugung, sondern durch militärische Aktionen geschehen.

Frage: Wenn jetzt die internationale Libyen-Kontaktgruppe mit einer Stimme den Rücktritt Gadhafis fordern sollte – könnte das der entscheidende Auslöser sein?

Perthes: Forderungen nach Rücktritten von Staatsführern wie Gadhafi oder Assad bewirken wenig, weil es hier nicht um die Überzeugung geht. Sie zeigen ihm zwar seine zunehmende internationale Isolierung. Wichtiger aber ist: Die zunehmende praktische Anerkennung des nationalen Übergangsrates in Bengasi spiegelt wider, dass Gadhafi Boden verliert. Und jetzt überlegen sich eben selbst Staaten wie China, die sich der Nato-Kampagne widersetzt haben, aus ganz realpolitischen Gründen, wer künftig in Libyen Verantwortung tragen wird. So hat China einen Vertreter des Übergangsrates empfangen.

Frage: Hat die internationale Gemeinschaft im nationalen Übergangsrat verlässliche Partner nach einem Sturz Gadhafis?

Perthes: Es sind die Partner, die wir haben. Wir können sie uns nicht aussuchen. Man kann dem Übergangsrat mit Rat und Tat zur Seite stehen, man kann von ihm fordern, die Menschenrechte zu wahren und dem eigenen Übergangsplan, den er ja vorgelegt hat, zu folgen, um ein demokratisches System zu schaffen. Aber sobald die Ölquellen wieder sprudeln und der Übergangsrat selbst in der Lage ist, Öl zu exportieren, wird er auch relativ druckresistent sein.