Das libysche Verteidigungsministerium hat einen Aufruf zum "Heiligen Krieg" gestartet: Männer und Frauen sollten sich in neu eröffneten Rekrutierungsbüros melden. Sie würden dann in "Gotteskrieger"-Einheiten eingesetzt, um gegen die "Kreuzritter" (die Nato) und die "Verräter-Banden" (die Rebellen) zu kämpfen. Beobachter in Tripolis gehen allerdings nicht davon aus, dass sich eine große Zahl von Freiwilligen melden wird.

Der Vorsitzende des Nationalen Übergangsrates in Bengasi, Mustafa Abdul Dschalil, wies unterdessen Überlegungen zurück, Gadhafi könne im Falle eines Rücktritts unter Umständen unbehelligt im Land bleiben: "Ich möchte betonen, dass es weder jetzt noch in der Zukunft für Gadhafi die Möglichkeit gibt, in Libyen zu bleiben." Gadhafi müsse entmachtet und vor Gericht gestellt werden.

Gadhafis Sohn Seif al-Islam bezeichnete Verhandlungen ohne seinen Vater als "unmöglich". Der Konflikt in Libyen sei ein Konflikt zwischen "Libyern und Verrätern, Milizen, Terroristen", sagte er in einem Interview mit der französischen Zeitung Le Monde.

Seif al-Islam, der als möglicher Nachfolger seines Vaters gilt, zeigte sich überzeugt, dass die libysche Armee die Rebellen besiegen werde – "mit oder ohne die Nato". Den Nato-Einsatz bezeichnete er als "Fastfood-Feldzug": Er sei "außergewöhnlich dumm" und "schlecht vorbereitet". Libyen habe mehr Munition, mehr Waffen, und auch die Stimmung der Soldaten sei besser.

Die Führung der Aufständischen macht unterdessen auf politischer Ebene weiter Fortschritte. Die türkische Regierung erkannte den Nationalen Übergangsrat als legitime Vertretung der Libyer an. Außenminister Ahmet Davutoglu versprach der Rebellenführung zudem 200 Millionen US-Dollar (138 Millionen Euro). Damit sollen vor allem der Aufbau der Infrastruktur und eine Wiederinbetriebnahme des Flughafens in Bengasi finanziert werden.