Der frühere bosnisch-serbische Armeechef Ratko Mladić ist zum zweiten Mal vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal für Ex-Jugoslawien in Den Haag erschienen und hat den Prozess massiv gestört.

Bei seiner zweiten Anhörung sollte Mladić erneut gefragt werden, ob er auf schuldig oder nicht schuldig plädiert. Doch der Vorsitzende Richter hat Mladić, dem Kriegsverbrechen und Völkermord vorgeworfen werden, des Gerichtssaals verwiesen. Mit der Anordnung reagierte der Vorsitzende Richter auf die ständigen Unterbrechungen seiner Ausführungen durch den Angeklagten. Mladić hatte erst mit Zuschauern geredet und den Richter dann mit dem Zwischenruf "Nein, nein, ich höre nicht zu!" gestört, als dieser die Punkte der Anklage vortragen wollte.

Der Richter plädierte später in Abwesenheit Mladićs stellvertretend dem Regelwerk gemäß auf nicht schuldig.

Bereits bei seiner ersten Anhörung Anfang Juni hatte Mladić die Antwort verweigert und die Vorwürfe gegen ihn als "abscheulich" zurückgewiesen. Der Anwalt von Mladić hatte am Sonntag noch erklärt, der Angeklagte werde nicht vor dem Tribunal erscheinen. Er wolle damit dagegen protestieren, dass das von ihm gewünschte Verteidigerteam bislang nicht vom Gericht bestätigt wurde. Das Tribunal hatte dafür organisatorische Gründe angegeben. Mladić habe seine Wunsch-Anwälte erst kurz zuvor namentlich benannt. Die Prüfung, ob sie zugelassen werden könnten, laufe noch.

Dem früheren Militärführer der bosnischen Serben werden Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in elf Punkten vorgeworfen – darunter das Massaker in Srebrenica im Sommer 1995.