Mitten im verregneten Sommer feiern die Briten politischen Frühling. Ein Tyrann wird gestürzt. Rupert Murdoch und sein Sohn James vor einem Unterhausausschuss – das ist fast so, als werde ein Diktator vom Schlage Gadhafis, vor dem ein Land jahrzehntelang in Furcht und Schrecken lebte, vor den Den Haager Gerichtshof zitiert.

Eine Gesellschaft, die sich offenbar bis hinauf zu ihren Premierministern von einem Medienherrscher einschüchtern ließ, rächt sich nun. Wie bei jeder Revolution rollen Köpfe – die von Zeitungsleuten, Medienmanagern, Polizisten und bald womöglich auch von Politikern.

Ed Miliband, der Chef der Labour-Partei, spielt dabei die Rolle des jungen Revolutionärs. Glühend vor Begeisterung beschreibt er ein Gefühl, "dass sich alles geändert" habe. Die Politik habe "eine neue Seele" bekommen. Damit meint er auch sich selbst.

Eben noch wollte seine Partei Miliband als politischen Versager absägen, nun entwirft er eine kühne Zukunftsvision nach der anderen. Murdoch war demnach nur der Anfang. Als Nächstes will Miliband alle Zentren "unverantwortlicher Macht", von den Banken bis zu den Energiekonzernen, zurechtstutzen.

Premierminister David Cameron dagegen wurde wie der letzte Statthalter des diskreditierten Ancien Régime auf dem falschen Fuß erwischt. Gerade noch saß er scheinbar fest im Sattel. Nun wird er mit jedem Rücktritt verwundbarer . Wenn er nicht schnell die richtigen Worte findet, zieht ihn der Strudel der Umwälzung hinunter. Feinde hat er schon genug, auch in der eigenen Partei.

Von seiner Afrikareise musste Cameron vorzeitig zurückkehren, um seine Position zu festigen. Andererseits: Wäre er daheim geblieben, hätte man ihn als Gefangenen der Krise kritisiert, unfähig, sein Amt als Premier noch auszuüben.

Großbritanniens Linke hat mit der Generalabrechnung begonnen. Neben Margaret Thatcher wird Rupert Murdoch zum Oberschurken der letzten 30 Jahre aufgebaut. An allem ist er schuld: an der Entfesselung der Marktkräfte, der Verachtung für den Sozialstaat, dem Entstehen einer neuen Unterklasse, der Feindseligkeit gegenüber hohen Steuern und straffer Regulierung der Banken, an der britischen Kriegslust und an ihrer Europafeindlichkeit.