Den ganzen Tag über lief die Debatte im Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York. Schon im Vorfeld hatten die deutschen Vertreter hinter verschlossen Türen bei den Partnerländern eifrig geworben und versucht, die Bedenken auszuräumen, Deutschland plane nur eine weitere "Bashing-Runde" der Klimasünder.

Noch am Tag vor der Sitzung am Mittwoch hatten die Vertreter Russlands eine vereinbarte Schweigepflicht gebrochen und angekündigt, dem Vorschlag nicht zuzustimmen – fast kam es zum Eklat. Susan Rice, die US-Botschafterin der UN, reagierte per Twitter: Dass es am Morgen vor der Sitzung noch keinen Konsens gebe, sei "armselig". Eilig wurde noch einmal umformuliert. Noch während die Sitzung lief, redeten die übrigen Mitgliedstaaten auf die russischen Vertreter ein.

Gegen 18.30 Uhr Ortszeit war klar, dass sich die Anstrengungen ausgezahlt hatten: Die abschließende Erklärung des Ständigen Vertreters Deutschlands bei der UN und derzeitigen Vorsitzenden des Rates, Peter Wittig, wurde von allen 15 Staaten unterstützt . Das Haus sei "proppenvoll" gewesen, das Interesse an dem Thema "riesengroß", jubelten deutsche Vertreter nach der Abstimmung.

Der Schlüsselsatz versteckt sich weit unten in der offiziellen Stellungnahme des deutschen Diplomaten. In dem Schreiben erkennt der Rat an, "dass mögliche ungünstige Folgen des Klimawandels auf lange Sicht eine Bedrohung für den internationalen Frieden und die internationale Sicherheit darstellen könnten". Der Rat äußere Bedenken, dass "schwindende Territorien einiger Staaten im Zuge des Anstiegs des Meeresspiegels Folgen für die Sicherheit haben können". Der Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki Moon , solle dies künftig in seinen Berichten berücksichtigen.

Was kaum vorsichtiger formuliert sein könnte, kommt für den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen einer kleinen politischen Revolution gleich.

Denn viele der Staaten, allen voran Russland, China und Brasilien, weigerten sich lange, den Klimawandel in dem mächtigen UN-Gremium überhaupt zu diskutieren. Aus Umweltfragen, hieß es lapidar, solle sich der Rat heraushalten und sich auf seine wichtigen weltpolitischen Aufgaben konzentrieren. Der Klimawandel wurde in Nischengremien wie das UNFCCC , das Rahmenabkommen der Vereinten Nationen über Klimaänderungen, abgeschoben. Man solle das Thema "den Experten überlassen",  begründeten die Chinesen die Ablehnung. Schon 2007 hatten die Briten einen Vorstoß gewagt und das Thema in den Rat eingebracht. Noch bevor es zu einem ausformulierten Papier kommen konnte, knickten sie unter dem Widerstand der übermächtigen Gegner ein.

Umweltschutz werde von vielen Ländern noch immer als Luxusproblem gesehen, sagt Amanda Rosen, Politikwissenschaftlerin an der Webster Universität im US-Bundesstaat Missouri und Expertin für den Zusammenhang zwischen Klimawandel und internationaler Sicherheit. Dabei habe sich in den vergangenen Jahren in Gebieten wie dem Sudan oder Ruanda gezeigt, dass das Klima längst auch ein Sicherheitsrisiko darstelle.

Ändern sollte sich das, als Deutschland im vergangenen Jahr als nichtständiges Mitglied in den Kreis aufgenommen wurde. Die Neuankömmlinge setzten das Thema trotz aller Widerstände weit oben auf die politische Agenda. Der deutsche Außenminister hatte das Thema zur Chefsache erklärt. Entsprechend zufrieden zeigte sich Guido Westerwelle nach der Erklärung: "Die Tatsache, dass der Sicherheitsrat die Gefahren des Klimawandels anerkennt, stellt einen wichtigen Sieg für die deutsche Klimapolitik dar."

Amanda Rosen lobt die Initiative der Deutschen ebenfalls. "Es ist gut zu sehen, dass sie als relativ junges Mitglied den Mut haben, ein solches Thema auf den Tisch zu bringen und die anderen zu zwingen, sich damit zu beschäftigen."