Die in mehreren somalischen Provinzen regierende Al-Shabaab-Miliz will doch keine Hilfslieferungen an die Hungernden in den von ihnen kontrollierten Gebieten zulassen. Die Miliz kündigte an, die Hilfsorganisationen nicht "ungehindert" arbeiten zu lassen.

Der Al-Shabaab-Sprecher Ali Mohamud Rage sagte der britischen BBC, die Berichte der Vereinten Nationen über die Hungersnot seien "kompletter Nonsens, 100 Prozent ohne Grundlage und pure Propaganda". Es gebe zwar eine Dürre in Somalia und der Regen sei ausgeblieben, aber die Situation sei lange nicht so schlimm wie von den UN beschrieben. "Die Organisationen, denen wir die Arbeit verboten haben, dürfen auch weiterhin nicht hier arbeiten. Sie sind in politische Aktivitäten involviert", sagte Rage.

Al-Shabaab, eine Miliz mit Verbindungen zum Terrornetzwerk al-Qaida, kontrolliert ein Gebiet, in dem 2,8 Millionen Menschen unter der Dürre leiden. Dazu gehören auch die  Regionen Bakool und Lower Shabelle, in denen die Vereinten Nationen vor wenigen Tagen offiziell eine Hungersnot ausgerufen hatten.

Gelassene Reaktionen auf Blockade der Rebellen

Die Miliz hatte erst Anfang Juli erklärt, sie werde angesichts der katastrophalen Lage erstmals seit zwei Jahren wieder internationale Organisationen in Südsomalia zulassen – "ob muslimisch oder nicht-muslimisch", wie es hieß. UN-Organisationen hatten daraufhin geplant, trotz Sicherheitsbedenken zumindest per Luftbrücke wieder Lebensmittel nach Südsomalia zu bringen. In dem von Al-Shabaab kontrollierten Gebiet leiden 2,8 Millionen Menschen unter der Dürre.

Auf die nun angekündigte Blockade reagierte die UN gelassen. Eine Sprecherin des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen, Emilia Casella, sagte, die UN würden in Somalia da arbeiten, wo es "möglich" sei. Die Sprecherin des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR, Melissa Fleming, sagte, es sei nicht bewiesen, dass die Arbeit der Helfer durch die mögliche neue Kehrtwende der Rebellen weiter "behindert" werde.

Unterdessen machen sich in Somalia immer mehr Menschen aus dem Süden auf den Weg in die Hauptstadt Mogadischu. Nur wenige Kilometer außerhalb der somalischen Metropole gebe es Camps mit unzähligen Zelten und Notunterkünften, in denen die hungernden Menschen Zuflucht suchten, berichtet die BBC.

Kirchen werben um private Spender

Ärzte hätten in den somalischen Lagern allein in den vergangenen neun Tagen mehr als 1.000 schwer unterernährte Kinder behandelt. Mütter stünden stundenlang Schlange, um eine Erstversorgung für ihre Babys zu bekommen. 

Die Bundesregierung kündigte an, ihre Hilfen für die Menschen am Horn von Afrika eventuell aufstocken zu wollen. "Die internationale Gemeinschaft setzt alles daran, diese Katastrophe noch abzuwenden", sagte Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel. Es werde daher derzeit geprüft, "welche weiteren Mittel wir bereitstellen können". 



Wegen der schwersten Dürre seit 60 Jahren brauchen UN-Angaben zufolge über zehn Millionen Menschen vor allem in Somalia, Äthiopien und Kenia Nahrungshilfe. In Somalia, wo der Hunger am größten ist, ist die Verteilung der Hilfsgüter vor allem schwierig, weil es keine Zentralregierung gibt.

In Deutschland riefen die Kirchen zu privaten Spenden auf. Die Menschen im Osten Afrikas hätten "Furchtbares erlebt, viele haben alles verloren", erklärte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch. Die gegenwärtige Not übersteige die finanziellen Möglichkeiten der kirchlichen Hilfswerke jedoch "bei weitem", erklärte der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Nikolaus Schneider.