Zum ersten Mal seit zehn Jahren könnte die dänische Sozialdemokratie im November wieder eine Regierung stellen. Ein rot-rotes Bündnis soll es möglich machen: Die dänischen Sozialdemokraten und ihre potenziellen Partner von der Sozialistischen Volkspartei kämpfen gemeinsam um die Gunst der vier Millionen wahlberechtigten Dänen. Der "rote Block", wie die Mitte-Links-Parteien im Volksmund genannt werden, erfreut sich derzeit guter Umfragewerte. Helle Thorning-Schmidt, die Parteivorsitzende der Sozialdemokraten, hat daher gute Chancen, den amtierenden rechtsliberalen Regierungschef Lars Løkke Rasmussen abzulösen.

Grund für die Wechselstimmung ist die wirtschaftliche Krise im Land: Steigende Arbeitslosenzahlen und negative Wachstumsraten, hohe Staatsschulden, ein wankender Bankensektor und ein vom Zusammenbruch bedrohter, bis vor Kurzem noch hoch spekulativer Immobilienmarkt verunsichern die Dänen.

Gegen die Wirtschaftskrise versprechen Sozialdemokraten und Sozialisten eine "Faire Lösung" – so zumindest heißt ihr in den Medien heiß diskutiertes Programmpapier. Es ist bereits die zweite gemeinsame Agenda der beiden Parteien. Sie setzen wieder auf ihr "altes" und doch hoch aktuelles politisches Kernthema: die Verteidigung des dänischen Wohlfahrtsstaatsmodells. Kern des Programms ist ein Konjunkturpaket für die dänische Industrie, die bis Ende 2012 von erheblichen Abschreibungsmöglichkeiten profitieren soll. Im Gegenzug erhofft sich das Bündnis neue Arbeitsplätze im Industriesektor. Auch eine Steuerreform ist Teil des Pakets: Millionäre sollen künftig stärker zur Kasse gebeten werden, gleichzeitig sollen Renten und Sozialhilfesätze steigen.

Im Gesundheitssektor plant das Bündnis ebenfalls Neuerungen: Private Krankenversicherungen sollen künftig nicht mehr steuerlich abgesetzt werden können und die Abgaben auf Zigaretten und Alkohol sollen steigen. Die zusätzlichen Einnahmen wollen die beiden Linksparteien unter anderem in die öffentlichen Krankenhäuser investieren. Das ist bitter nötig: Viele der staatlichen und kommunalen Krankenhäuser und Pflegeheime sind mittlerweile marode. Selbst für dringend notwendige Operationen landen Intensivpatienten auf Wartelisten. Und eine Unterbringung in privaten Einrichtungen, in denen optimale Bedingungen herrschen, können sich nur die Wenigsten leisten.

Mit dem gemeinsamen Programm unterstreichen Sozialdemokraten und Sozialisten deutlich ihre Strategie, das Mitte-Links-Lager einen zu wollen. Die Fokussierung auf ökonomische und soziale Themen sollen auch die nach rechts-außen abgewanderten Wähler aus der traditionellen Arbeiterschaft zurückholten – eine in der jetzigen Krise besonders bedrängte Klientel, die in der kommenden Wahlauseinandersetzung die entscheidenden Stimmen liefern könnte.

2001 hatten die Linksparteien noch leidvoll miterleben müssen, wie der bürgerliche "blaue Block" mithilfe einer von nationalistischen und xenophoben Untertönen durchsetzten Wahlkampagne eine deutliche Mehrheit im Folketing, dem dänischen Parlament, einfuhr.

Getragen von der Angst, noch mehr Wähler an die Bürgerlichen und an die rechtspopulistische Dänische Volkspartei zu verlieren, unterstützen seitdem auch die Sozialdemokraten die rigide Ausländerpolitik der Mitte-rechts-Regierung. Humanistische Prinzipien mussten hinter wahlstrategischen Überlegungen zurückstehen.

So stimmte die Partei beispielsweise den jüngst verabschiedeten Gesetzen gegen kriminelle ausländische Staatsbürger zu: Ausländer müssen künftig bei der zweiten Straftat sofort das Land verlassen. Auch als es unlängst um die Wiedereinführung von Zollkontrollen an der deutsch-dänischen Grenze ging, blieben Sozialdemokraten und Sozialisten lange still. Erst jetzt, nachdem die Fakten geschaffen worden sind, und wieder Schlagbäume in Richtung Süden transportiert werden, wagen sich Mitte-links-Politiker mit Gegenstimmen an die Öffentlichkeit.