Im Zusammenhang mit dem Abhörskandal um das Boulevardblatt News of the World und den Medienunternehmer Rupert Murdoch ist nun der Chef der Londoner Metropolitan Police, Paul Stephenson, zurückgetreten. Premierminister David Cameron bedauerte den Rücktritt Stephensons: Dies sei ein "trauriger Moment für ihn".

Stephenson begründete seinen Rücktritt in einer Pressekonferenz mit den "Spekulationen und Anschuldigungen" über Verbindungen von seiner Behörde zur Zeitungsgruppe News International. Er habe sich aber nichts vorzuwerfen, betonte Stephenson. Der Polizeibehörde wird vorgeworfen, trotz erster Vorwürfe gegen das Boulevardblatt News of the World im Jahr 2005 den Abhörskandal nicht aufgedeckt zu haben. Ihm sei das Ausmaß der Bespitzelungsaffäre nicht klar gewesen, sagte Stephenson. Er wolle nicht, dass Kritik an seinem Verhalten die Sicherheitsvorkehrungen für die Olympischen Spiele 2012 in London beeinträchtige.

Vor der öffentlichen Befragung Murdochs, die am Dienstag stattfinden soll, war Stephenson außerdem wegen eines Korruptionsvorwurfs stark unter Druck geraten. Stephenson habe sich Teile eines Kuraufenthaltes im Wert von 12.000 Pfund (13.700 Euro) von einem Spa-Betreiber bezahlen lassen, berichtete das Murdoch-Blatt Sunday Times unter Berufung auf ein Statement der Polizei. PR-Chef des Spa-Betreibers war Neil Wallis, einstiger stellvertretender Chefredakteur der inzwischen eingestellten News of the World. Er arbeitete auch als PR-Berater für Stephenson. Wallis war am Donnerstag festgenommen worden.

Die zurückgetretene Chefin von Murdochs Zeitungsgruppe News International, Rebekah Brooks, ist um Mitternacht gegen Zahlung einer Kaution wieder auf freien Fuß gekommen. Sie wurde zuvor intensiv befragt. Die Festnahme von Brooks hatte die Polizei mit dem Verdacht der Korruption und der Nutzung illegaler Abhörmethoden begründet. Brooks muss Ende Oktober auf einer Polizeistation in London wieder vorstellig werden. Sie gilt als enge Vertraute von Rupert Murdoch. Die 43-Jährige war zur Zeit des Abhörskandals Chefredakteurin von News oft the World.

Brooks soll eigentlich morgen gemeinsam mit Rupert Murdoch und dessen Sohn James vor dem Medienausschuss des Unterhauses zum Abhörskandal Rede und Antwort stehen. Nach ihrer vorübergehenden Festnahme sagte ihr Sprecher aber, dies stelle ihr Erscheinen infrage. Der Polizei zufolge steht Brooks unter Verdacht, für die Bestechung von Polizisten und das Abhören von Mailboxen mitverantwortlich zu sein.

Oppositionsführer Ed Miliband forderte in einem Interview mit dem Observer, die Gesetze zur Medienkonzentration müssten verschärft werden. Murdochs Marktmacht sei "gefährlich", sagte der Labour-Politiker. "Er hat zu viel Macht über das öffentliche Leben in Großbritannien." News International kontrollierte bisher 37 Prozent des britischen Zeitungsmarktes. Murdoch gehören zusätzlich 39 Prozent am Fernseh- und Telekommunikationskonzern BSkyB.

Regierungschef David Cameron steht wegen seiner engen Kontakte zu Murdochs Medien in der Kritik. In nur 15 Monaten Amtszeit traf er sich 26 Mal offiziell mit Murdoch oder dessen Top-Managern. Der Konservative machte einen ehemaligen Chefredakteur der News of the World, Andy Coulson, zu seinem Sprecher. In einer Spitze gegen Cameron sagte Polizeichef Stephenson bei seiner Rücktrittserklärung, anders als Coulson habe Wallis bei der News of the World nicht zurücktreten müssen. Er werde auch nicht mit den ursprünglichen Ermittlungen wegen des Abhörens von Mailboxen in Verbindung gebracht.

Cameron hat sich entschieden, eine Reise nach Afrika zu verkürzen und bereits Dienstagabend nach London zurückzukehren. Cameron wolle sich in die Ermittlungen einschalten, berichtete der Guardian. Anstatt vier Tage halte sich der Regierungschef nur zwei Tage in Afrika auf und besuche lediglich Südafrika und Nigeria. Besuche im Sudan und Ruanda seien abgesagt worden. Die Financial Times berichtete, Cameron kehre nach Großbritannien zurück, um Vorwürfe abzuwehren, sich während des Skandals nicht im Lande aufzuhalten.