Der Sudan hat die Unabhängigkeit der benachbarten Republik Südsudan einen Tag vor ihrer offiziellen Staatsgründung anerkannt. Der Südsudan werde als "unabhängiger" Staat in den Grenzen vom 1. Januar 1965 akzeptiert, sagte der Staatsminister für Präsidialangelegenheiten, Bakri Hassan Saleh. Der Sudan zählt damit zu den ersten Ländern, die den neuen Staat anerkennen. Zwischen dem Norden und dem Süden gibt es allerdings nach wie vor zahlreiche Konflikte.

Südsudan will sich am Samstag nach langem Bürgerkrieg vom Norden lossagen und sich völkerrechtlich für unabhängig erklären. Die Bevölkerung der Region hatte sich im Januar in einem Referendum mit großer Mehrheit für die Loslösung vom Norden entschieden. Die Volksabstimmung war Teil eines Friedensabkommens von 2005, das einen mehr als 20 Jahre dauernden Bürgerkrieg beendete.

Beim Aufbau des neuen Landes und bei der Gewährleistung der Sicherheit soll eine UN-Mission helfen. Der UN-Sicherheitsrat verabschiedete eine Resolution zur Entsendung von 7.000 Soldaten und 900 Zivilisten und Experten. An der Mission beteiligt sich auch die Bundeswehr mit bis zu 50 bewaffneten Soldaten. Der Bundestag stimmte der Teilnahme an der UN-Friedensmission (UNMISS) zu. Die Beteiligung gilt zunächst bis Ende September.

Bundespräsident Wulff gratuliert

Darüber hinaus erkennt Deutschland die neue Republik Südsudan völkerrechtlich als unabhängigen Staat an. Dies teilte Bundespräsident Christian Wulff dem Präsidenten Südsudans, Salva Kiir Maydarit, in einem vom Bundespräsidialamt veröffentlichten Brief mit. Wulff sagt darin zugleich die Unterstützung Deutschlands für den Aufbau des neuen Staates zu.

"Das deutsche Volk heißt die Republik Südsudan als neues Mitglied der Gemeinschaft der freien und unabhängigen Staaten der Welt willkommen", heißt es in dem Schreiben. Zugleich bringt der Bundespräsident darin die Hoffnung zum Ausdruck, die noch offenen Fragen zwischen dem Sudan und Südsudan würden "auf dem Verhandlungswege, friedlich und zur Zufriedenheit beider Länder" gelöst. Hierzu werde Deutschland weiter nach Kräften beitragen.

Zu der offiziellen Unabhängigkeitsfeier in der neuen Hauptstadt Juba werden etwa 30 Staatsoberhäupter erwartet, darunter Sudans Präsident Omar al-Baschir, den die Opposition in Khartum für den Verlust des ölreichen Südens verantwortlich macht. Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag hat gegen al-Baschir Haftbefehl wegen des Verdachts auf Kriegsverbrechen in Darfur erlassen, der westlichen Region des Sudans, die ebenfalls um Unabhängigkeit kämpft.