Größer konnte der Triumph nicht ausfallen: Thailands Opposition hat bei der Wahl am Sonntag die absolute Mehrheit im Parlament gewonnen . Die Partei des umstrittenen Populisten und Milliardärs Thaksin Shinawatra, 2006 vom Militär gestürzt und im Dubaier Exil lebend, kommt wieder an die Macht. Die Regierungspartei von Premier Abhisit Vejjajiva musste eine vernichtende Niederlage einstecken.

Die ärmeren, ländlich lebenden Thais haben diese Wahl entschieden. Verloren haben die Etablierten, die gehobene Mittelschicht und die Stadtelite, die Beamten, Militärs und regierungsnahen Geschäftsleute.

Natürlich ist das Wahlverhalten in Thailand heute insgesamt vielschichtiger. So hat die Partei Thaksins, die von seiner politisch unerfahrenen Schwester Yingluck Shinawatra (44) angeführt wird, ihre Basis zwar in den einkommensschwachen Regionen des Nordostens. Doch inzwischen finden sich Wähler auch in den Städten. Man weiß dort, dass Thaksin korrupt ist – wie viele Politiker im Land –, ist ihm jedoch dankbar dafür, dass er in seiner Regierungszeit Sozialreformen für die einfachen Menschen durchgesetzt hat.

Politisch bleibt Thailand dennoch tief gespalten. Thaksins Sturz durch die Armee vor knapp fünf Jahren hatte das Land in eine tiefe Krise gestürzt, die im vergangenen Jahr zu heftigen Straßenschlachten zwischen seinen Anhängern, den sogenannten Rothemden, und dem Militär führte. Die Oppositionellen besetzten das Geschäftsviertel in Bangkok und forderten den Rücktritt des heute abgewählten Regierungschefs Abhisit, der von den Thaksin-kritischen Gelbhemden gestützt wird. Mindestens 90 Menschen starben und es gibt wenig Zweifel, dass Soldaten mit scharfer Munition auf unbewaffnete Demonstranten schossen. Eine unabhängige Untersuchung der Ereignisse gab es bis heute nicht.

Deshalb steht zu befürchten, dass Thailand von neuen lähmenden Demonstrationen nicht verschont bleibt. Bald schon werden wohl die Gelbhemden aufmarschieren. Sie haben 2008 mit der Blockade der Bangkoker Flughäfen gezeigt, dass sie genauso robust und schlagkräftig in das öffentliche Leben eingreifen können, wie die Rothemden es taten. Bei der Wahlkommission sind schon mehr als 1.900 Beschwerden über angeblichen Wahlbetrug eingegangen. Die meisten kamen aus dem Norden und Nordosten des Landes – Bastionen der Sieger-Partei Pheu Thai. Konfliktstoff gibt es also genug.

Hinzu kommt, dass sich das Militär ständig in die Politik einmischt. Zuletzt konnte man es erleben, als der scheidende Verteidigungsminister Prawit Wongsuw nach dem Sieg der Opposition mit den Militärführern sprach und danach verkündete: "Das Volk hat sich eindeutig ausgesprochen, also kann die Armee nichts machen. Wir akzeptieren das Ergebnis."

Dieses Selbstverständnis durchzieht die Politik Thailands seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Militärputsche gab es seither zahlreiche, die Lösung politischer Krisen auf zivilem Weg war die Ausnahme. Solange aber das Militär unliebsame Regierungen gewaltsam absetzt, solange werden auch Rot- und Gelbhemden aufeinander eindreschen. Und so lang werden sich die politischen Institutionen Thailands nicht stabilisieren können.