Außenminister Guido Westerwelle (FDP) ist zu einem Überraschungsbesuch in der afghanischen Hauptstadt Kabul eingetroffen. Westerwelle wird während seines Besuchs den afghanischen Präsidenten Hamid Karsai und den neuen Kommandeur der internationalen Schutztruppe Isaf, US-General John Allen, treffen.

Bei den Gesprächen wird es vor allem um die Übergabe der Sicherheitsverantwortung an die Afghanen gehen. Insgesamt übernehmen die afghanischen Behörden die Verantwortung in drei Provinzen und sieben Städten. Darunter ist auch Masar-i-Scharif, dort sind die deutschen Isaf-Truppen stationiert.

Die afghanische Regierung steht kurz davor, die Sicherheitsverantwortung von den Isaf-Truppen in sieben Gebieten zu übernehmen. Gleichzeitig beginnt die schrittweise Verkleinerung der zurzeit noch 140.000 Soldaten starken Isaf. Die USA schreiten dabei als größter Truppensteller voran und wollen bis Sommer 2012 ein Drittel ihrer rund 100.000 Soldaten aus Afghanistan abziehen.

"In dieser Woche beginnt ein neuer Abschnitt in unserer Afghanistan-Politik", sagte Westerwelle. "Die Abzugsperspektive, sie wird jetzt konkret." Die internationalen Truppen seien jetzt zehn Jahre in Afghanistan. "Es können nicht noch weitere zehn Jahre werden." Gleichzeitig lehnte Westerwelle einen konkreten Zeitplan für den Abzug der Bundeswehr ab. "Es wäre nicht wirklich klug zu sagen, wo und in welchem Monat welche Truppenteile reduziert werden", sagte er. Ein solches Vorgehen wäre "geradezu eine Einladung" an die Aufständischen, "besonders dort mit ihren Gewalttaten aktiv zu werden".

Aus der Opposition war die Forderung gestellt geworden, konkrete Abzugsschritte für die nächsten Jahre festzulegen. Die Bundesregierung will erst Ende des Jahres über den ersten Abzugsschritt entscheiden. Derzeit sind mehr als 5.000 deutsche Soldaten am Hindukusch stationiert.