Mitt Romney

Der Geschäftsmann und Millionär Mitt Romney hat bislang die höchsten Zustimmungsraten unter den Republikanern. Der aalglatte, aber auch souverän auftretende Ex-Gouverneur von Massachusetts gilt als ökonomisch kompetent und ist ein Wirtschaftsliberaler. Das jedoch macht ihn der Radikalopposition von der Tea Party suspekt. Dies gilt auch für seine Geschmeidigkeit, Ansichten zu ändern, wenn es die Situation erfordert.

So war der 64-Jährige einst für das Abtreibungsrecht und die Homo-Ehe. Dagegen ist er erst, seitdem die rechten Strömungen unter den Republikanern an Einfluss gewannen. Ein weiteres Beispiel: Seine in Massachusetts eingeführte Gesundheitsreform ähnelt jener von Obamas Demokraten. Sein Gesetz sah damals vor, dass jeder Einwohner des Bundesstaates verpflichtend eine Krankenversicherung abschließen sollte – für die neue Rechte ein Tabu. Nun wettert er gegen Obamas Großprojekt. Das brachte ihm nicht nur in der eigenen Partei den Ruf eines Wendehalses ein. Manch konservativen Christen ist Romney zudem auch deshalb nicht geheuer, weil er ein Mormone ist.

Mitt Romney hatte bereits vor der vergangenen Präsidentschaftswahl kandidiert, im republikanischen Vorwahlkampf verlor er jedoch gegen John McCain. Wie es diesmal ausgeht, hängt auch von der Vorwahl in New Hampshire Anfang 2012 ab. Die muss er gewinnen, denn in dem Nachbarstaat von Massachusetts dominieren Konservative, die in wichtigen Staatsfragen auch Kompromisse eingehen. Kandidaten der konservativen Christen und aus dem Umfeld der Tea-Party-Bewegung reüssieren eher in ländlichen Staaten.

Romneys Grundproblem ist folgendes: Um die rechte Republikaner-Basis bei den Vorwahlen für seine Kandidatur zu gewinnen, muss er sich noch wesentlich radikaler geben als bisher. Hat er damit Erfolg, besteht in der Folge die Gefahr, dass er bei der eigentlichen Präsidentschaftswahl den konservativen Teil der politischen Mitte nicht mehr erreicht, denn die schätzt Radikalität nicht. Die Mitte aber muss ansprechen, wer die Präsidentschaftswahl 2012 gewinnen will – zumindest sieht es bislang noch so aus.