Der indische Aktivist Anna Hazare hat seinen landesweit viel beachteten Hungerstreik beendet. 13 Tage lang protestierte Hazare gegen Korruption und für ein verschärftes Gesetz gegen Bestechung. Mit einem Glas Kokosnussmilch mit Honig beendete er symbolisch seine Aktion. Das Einlenken des Parlaments als Reaktion auf den Hungerstreik sieht er als Teilerfolg, "doch der endgültige Triumph steht noch aus", so Hazare.

Das Parlament hat sich nach einer achtstündigen Debatte bereit erklärt, auf Schlüsselforderungen Hazares einzugehen. Zu diesen Forderungen zählt vor allem die Schaffung einer unabhängigen Behörde, die alle Minister, Abgeordnete und Beamte überwacht, sowie Ombudsmänner in allen 29 Bundesstaaten. Die Abgeordneten wollen nun ein Gesetz zur Bekämpfung der Korruption erweitern und damit erheblich stärken. Außerdem sagten die Parlamentarier zu, eine Bürgercharta für mehr Transparenz zu verabschieden. Der zuständige Parlamentsschuss soll in den kommenden Wochen einen neuen Gesetzentwurf ausarbeiten.

Der friedliche Protest als Lektion für die Welt

Hazare sagte, es gebe Anlass zum Stolz, dass eine so große Volksbewegung ohne jegliche Form von Gewalt entstehen konnte. "Das Parlament in Neu Delhi musste sich der Macht des Volkes beugen, aber unser Kampf endet hier nicht", sagte er vor Zehntausenden jubelnden Anhängern. "Wir möchten dem Land einen Wandel im Rahmen der Verfassung bringen." Der Protest sei eine Lektion für die Welt, sagte Hazare.

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Die Behörden hatten Hazare zu Beginn seiner Protestaktion festnehmen lassen. Nach drei Tagen ließen sie ihn aber wieder frei, weil sie feststellen mussten, dass er in der indischen Bevölkerung über großen Rückhalt verfügt. Tausende Menschen waren zu dem Hungerstreik gekommen.

Die Inder müssen sehr häufig für einfache staatliche Dienste wie Eheschließungen und Krankenhausbehandlungen Bestechungsgelder zahlen. Die massiven Proteste dagegen setzten Ministerpräsident Manmohan Singh stark unter Druck. Seine Regierung war in den vergangen Monaten selbst in Korruptionsskandale verstrickt.

Hazare selbst, der sich auf das indische Unabhängigkeitsidol Gandhi beruft, ist in Indien umstritten. Während ihn viele als moralischen Führer schätzen, der die Untätigkeit der Regierung offenbart, sehen andere in ihm einen autoritären Führer, der mit populistischen Methoden dem Parlament seine Positionen aufzwingt und Illusionen über ein Ende der Korruption in Indien weckt. Kritiker werfen ihm zudem "aggressiven Nationalismus" vor.