In der Teheraner Führung gibt man sich nach außen hin überzeugt: Der Arabische Frühling werde sich am Ende positiv auf Iran auswirken. Tatsächlich aber hat das Regime den nordafrikanischen Staaten auf ihrem Weg zur Demokratie nichts zu bieten – weder als Modell noch als Sponsor. Teheran konnte seinen Hebel in der arabischen Welt vor allem dort ansetzen, wo es darum ging, die Rechtmäßigkeit autoritärer, mit Washington und damit auch mit Israel verbundener Regime, zu untergraben.

Arabische Regierungen, die ihre Legitimation über die Zustimmung des jeweiligen (Wahl-)Volkes beziehen, werden diese Beziehungen jedoch herunterfahren. Das wird sie weniger anfällig machen für die Art von Propaganda, mit der Teheran bisher bei der "arabischen Straße" punkten konnte: Ihre Abhängigkeit von den USA wird zurückgehen, Israel gegenüber werden sie deutlich kritischer sein. Mag sein, dass sie Teheran weniger feindlich als ihre Vorgängerregime gegenüberstehen werden. Aber: Sie brauchen sich nicht darum zu sorgen, dass Iran mit seiner Rhetorik die Köpfe und Herzen ihrer Bevölkerungen erobert – und sind so weniger empfänglich für iranische Erpressung und Subversion.

In den Golf-Monarchien dagegen geht seit dem Beginn des Arabischen Frühlings die Angst um: Sie fürchten um die eigene Stabilität und sehen nicht nur in Iran, sondern auch und vor allem in dem – von den USA unterstützten – Demokratisierungsprozess eine ideologische Herausforderung. Die Herrscher am Golf empfinden die amerikanische Demokratiebegeisterung ebenso als Zumutung wie die politischen Umtriebe ihrer iranischen Nachbarn. Die Könige und Emire der arabischen Halbinsel werden sich mehrheitlich gegen die von Washington empfohlenen Reformen zur Wehr setzen – Reformen, die eigentlich das beste Gegenmittel gegen den Einfluss Teherans wären.

Dass sie die amerikanische Demokratieförderung in Iran kaum unterstützen werden, liegt auf der Hand. Fazit: Die Golf-Monarchien werden stärker als bisher auf der Hut sein – sowohl was ihre Beziehungen zu Washington, als auch was ihr Verhältnis zu Teheran angeht.

Eine Ausnahme von diesem Trend könnte Syrien werden. Eine demokratisch legitimierte, syrische Regierung mit Rückhalt in der Bevölkerung würde mit großer Wahrscheinlichkeit ihre Beziehungen zu Teheran lockern und gleichzeitig ihr Verhältnis zu den USA verbessern. Auf lange Sicht werden die USA vom Entstehen demokratischer Staaten in der arabischen Welt profitieren. Iran dagegen wird zu den Verlierern gehören, aber nur in Syrien wäre diese Wirkung fast sofort spürbar.

Keine Frage: Eine demokratische Revolution in Iran wäre wünschenswert. Richtig ist aber auch, dass jeder direkte Versuch der USA – sei er offen oder verdeckt –, diesen Umbruch herbeizuführen, vermutlich genau das Gegenteil bewirken würde, sie würde das Regime festigen. Aber Demokratie ist ansteckend und örtliche Nähe ein entscheidender Faktor. Für die unmittelbare Zukunft gilt daher: das Beste, was Washington tun kann, um politische Reformen in Iran zu unterstützen, ist, ähnliche Veränderungen in anderen Ländern des Nahen Ostens zu fördern – vor allem dort, wo die USA größeren Zugriff und Einfluss haben und wo Veränderungen schon im Gange sind.