Der erst seit gut einem Jahr regierende japanische Ministerpräsident Naoto Kan ist wie erwartet zurückgetreten. Er schrieb an seine Mitte-links orientierte Demokratische Partei (DPJ), dass er das Amt des Parteivorsitzenden aufgibt. Das bedeutet auch sein Ende als Regierungschef.

Die Wahl eines neuen Vorsitzenden der DPJ wird für Montag erwartet. Das japanische Unterhaus könnte diesen dann am Dienstag zum neuen Ministerpräsidenten wählen. Als aussichtsreicher Kandidat wird der frühere Außenminister Seiji Maehara gehandelt.

Kan war der fünfte Ministerpräsident Japans in nur fünf Jahren. Die Zustimmungswerte für seine Regierung waren seit der Atomkatastrophe im Kraftwerk Fukushima und den vorausgegangenen Naturkatastrophen auf 15 Prozent gefallen. Die Bevölkerung warf dem Ministerpräsidenten schlechtes Krisenmanagement vor.

Kan hatte bereits Anfang Juni seinen Rücktritt in Aussicht gestellt, sobald drei Gesetzesvorhaben verabschiedet sind: Ein Sonderhaushalt für die Behebung der Katastrophenschäden, ein Gesetz zur Finanzierung des Sonderhaushalts über die Ausgabe neuer Staatsanleihen sowie ein Gesetz zur Förderung erneuerbarer Energien.

Während das erste Gesetz bereits im Juli verabschiedet worden war, stimmte das Parlament am Freitag auch den beiden anderen Projekten endgültig zu. So war der Weg frei für Kans Rücktritt.