Im kosovarischen Grenzkonflikt zeichnet sich ein Kompromiss zwischen Albanern und Serben ab. Bis zum Abend könne eine entsprechende Vereinbarung beschlossen werden, berichtete der serbische Unterhändler Goran Bogdanovic dem Belgrader Sender B92. Zuvor hatte auch die Kosovo-Regierung ihre Ablehnung gegen das vom KFor-Kommandeur Erhard Bühler erzielte Abkommen aufgegeben. "Wir haben Übereinkunft über die nächsten Schritte erzielt", sagte der Regierungschef Hashim Thaçi nach einem Treffen mit dem General.

Einzelheiten des Kompromisses sind noch unbekannt. Nach inoffiziellen Informationen soll die Schutztruppe KFor wenigstens bis Mitte September die beiden umkämpften Grenzübergänge Jarinje und Brnjak im Norden des Landes zu Serbien kontrollieren. Dabei sollen weder regierungstreue kosovarische noch serbische Zöllner und Grenzpolizisten eingesetzt werden. Der Importstopp Kosovos für serbische Waren soll gelockert werden, sodass LKW bis zu 3,5 Tonnen die Grenze passieren können. Im Gegenzug müssen die Serben ihre zahlreichen Straßensperren abbauen.

Mit dieser Vereinbarung soll Zeit gewonnen werden, bis beide Streitparteien wieder an den Verhandlungstisch zurückkehren. Dort will sich der EU-Kosovo-Vermittler Robert Cooper für eine dauerhafte Lösung einsetzen. Im Kern geht es um die Frage, ob sich die serbische Minderheit im Norden Kosovos der Zentralregierung in Prishtinë unterstellt.

Konflikt blockiert EU-Beitrittsverhandlungen

Das Kosovo hatte Ende Juli Einheiten an die Grenzübergänge entsandt, um ein Einfuhrverbot für serbische Waren zu überwachen. Damit reagierte Prishtinë auf ein bereits seit der Unabhängigkeitserklärung des Kosovo im Jahr 2008 bestehendes serbisches Importverbot für kosovarische Produkte. Der Unmut der serbischen Minderheit über das Importverbot entlud sich in Ausschreitungen an den Grenzübergängen, bei denen in der vergangenen Woche ein kosovarischer Polizist getötet und ein Übergang in Brand gesetzt wurde.

Der aktuelle Konflikt blockiere die Beitrittsverhandlungen Serbiens mit der EU, berichtet die serbische Zeitung Blic. "Es gibt kein Datum für die Verhandlungen vor dem Ende der Kosovo-Krise", berichtete die Zeitung. Das hätten vor allem Deutschland, die Niederlande und Großbritannien mit Unterstützung der USA durchgesetzt, schrieb das Blatt unter Berufung auf eine Quelle in der serbischen Regierung.