Die Regierung des Kosovos hat sich gegen eine weitere Kontrolle zweier umstrittener Grenzposten durch die Nato ausgesprochen. Premierminister Hashim Thaçi will eine entsprechende Vereinbarung zwischen der Nato-Truppe KFor und Vertretern der Regierung Serbiens nicht akzeptieren. Es geht dabei um zwei Grenzübergänge zu Serbien.

Zwischen den Balkanländern hat es deswegen in den vergangenen Tagen Streit gegeben. Das Kosovo hatte Ende Juli Einheiten an die Übergänge Jarinje und Brnjak entsandt, um ein Einfuhrverbot für serbische Waren zu überwachen. Daraufhin blockierten Angehörige der serbischen Minderheit im Norden des Kosovos die Zufahrtsstraßen zu den Übergängen.

Bei den Protesten gegen die Boykott-Aktion gerieten Angehörige der serbischen Minderheit und Grenzpolizisten des Kosovos aneinander. Ein kosovarischer Beamter starb durch Gewalt. Aufgebrachte Jugendliche setzten auch einen der Übergänge in Brand. 

Angesichts der Eskalation übernahm die KFor schließlich die Kontrolle über die Grenzübergänge. Am Mittwoch begann die Nato-Truppe zudem, ein Reservebataillon mit etwa 700 Soldaten aus Deutschland und Österreich in das Kosovo zu verlegen.

Nato soll bis September an Posten bleiben

In den Verhandlungen zwischen Serbien und der Nato wurde nun festgelegt, dass KFor-Soldaten bis mindestens Mitte September "Kontrolle und Oberbefehl" über die Grenzübergänge im Nordkosovo behalten sollen. Auf diese Lösung hatten sich der KFor-Kommandeur und Bundeswehrgeneral Erhard Bühler mit Vertretern der serbischen Regierung in Belgrad verständigt. Sie sicherten ihm zu, dass alle von Angehörigen der serbischen Minderheit errichteten Straßensperren abgebaut würden.

Die Regierung des Kosovos wies die vorläufige Einigung als "inakzeptabel und unausführbar" zurück. Premierminister Thaçi beharrte weiter darauf, die Übergänge Jarinje und Brnjak seinen eigenen Polizisten und Zollbeamten zu unterstellen. Thaçi warf der Regierung in Belgrad vor, die serbische Minderheit zur Errichtung von Straßensperren im Nordkosovo angespornt zu haben. Mit Blick auf die Anwesenheit Vertreter der serbischen Regierung sagte er, sie würden die Blockierer ermutigen, "indem sie bei ihnen sind oder sie anführen".

Auch der Kommandeur des US-Kontingents der KFor, Michael Schwartz, kritisierte, dass Angehörige der serbischen Minderheit offenbar zur Errichtung der Straßensperren gezwungen worden seien. "Männer, Frauen, Kinder und serbische orthodoxe Priester wurden vor einer Straßensperre aufgestellt", sagte er laut einer Erklärung der US-Truppen. Einige der Demonstranten hätten ihm gesagt, dass sie "gegen ihren Willen" an der Absperrung seien.