Libyens Rebellen treiben ihre geplante Belagerung der Hauptstadt Tripolis voran. Sie lieferten sich in einer Raffinerie in Sawijah Gefechte mit den dort verbliebenen Regierungstruppen. Der Ort liegt auf einer wichtigen Straße von Tunesien nach Tripolis und war in den vergangenen Tagen von den Rebellen eingenommen worden. "Wir kontrollieren die Tore der Raffinerie", sagte ein Aufständischer. Über einem Gebäude und von einem Strommast wehten noch die grünen Fahnen der Regierungstruppen, während in den übrigen Teilen von Sawijah das Rot-Schwarz-Grün der Aufständischen vorherrschte.

Die Rebellen rücken von Westen und Süden auf Tripolis vor und haben die Verbindungen der Stadt nach außen gekappt. Ihre Kämpfer drangen in Vororte der Stadt Heischa ein, die rund 250 Kilometer von Tripolis entfernt ist. US-Verteidigungsminister Leon Panetta sagte, Staatschef Muammar al-Gadhafi sei in die Defensive gedrängt worden. Die Tage des Machthabers seien gezählt.

Umzug von Bengasi in die Hauptstadt geplant

Die Opposition legte konkrete Pläne für die Zeit nach einem Sturz Gadhafis vor. Der Übergangsrat der Aufständischen will seine Macht demnach binnen acht Monaten an ein Übergangsparlament abgeben, das Wahlen und eine neue Verfassung vorbereiten soll. Der Übergangsrat will nach einem Sieg über Gadhafi von der Rebellenhochburg Bengasi in die Hauptstadt Tripolis umziehen. Nach maximal 30 Tagen will er eine Übergangsregierung ernennen.

In den 30 Tagen nach seiner ersten Sitzung soll das Parlament ein Wahlgesetz verabschieden, um nach spätestens sechs Monaten "transparente und demokratische" Wahlen organisieren zu können. Die gesamte Übergangsphase werde maximal 20 Monate dauern und unter der Aufsicht der Vereinten Nationen stehen, versicherte der Präsident des Übergangsrates, Mustafa Abdel Dschalil.

Der Nationale Übergangsrat war am 27. Februar während der ersten Tage des Aufstands ins Leben gerufen worden. Er steht seitdem unter dem Vorsitz von Dschalil, einem früheren Justizminister Gadhafis. Dem Rat gehören 40 Mitglieder an, die aufgrund ihrer Erfahrung und regionalen Herkunft ausgewählt wurden.

Angebot an Überläufer

Dschalil dementierte Berichte über Gespräche mit Vertretern von Gadhafi: "Es gibt keine Verhandlungen mit Gadhafis Regime – weder direkt noch indirekt." Er stellte weiteren möglichen Überläufern faire Prozesse oder sogar einen Straferlass in Aussicht. Kürzlich war der libysche Vize-Innenminister Mabruk Abdallah nach Ägypten ausgereist.

Dieses Angebot gelte aber nicht für Gadhafi und seine engsten Vertrauten, sagte Dschalil. Gadhafi, sein Sohn Seif al-Islam und sein Geheimdienstchef Abdullah al-Senussi können nicht auf Immunität oder Straffreiheit hoffen, da der Internationale Strafgerichtshof einen Haftbefehl gegen sie wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit erlassen hat.

Gadhafi sondiert angeblich in Südafrika

Einem unbestätigten Medienbericht zufolge versucht Gadhafi, sich nach Südafrika abzusetzen. Das schreibt die arabische Zeitung Al-Sharq Al-Awsat. Gadhafis Büroleiter habe bei Gesprächen in Mauretanien, Mali und Tunesien behauptet, sein Chef sei krank und wolle das Land verlassen, um sich medizinisch behandeln zu lassen. Nach Informationen der Zeitung soll Gadhafi Südafrikas Präsidenten Jacob Zuma gebeten haben, ihn und seine Familie aufzunehmen. Gadhafi habe, um eine sichere Ausreise zu erlangen, auch Kontakt zum britischen Außenministerium und zu einem Mitarbeiter von Frankreichs Präsidenten Nicolas Sarkozy aufgenommen.