Im Libyen-Konflikt hat Amnesty International beiden Konfliktparteien Folter vorgeworfen und die Anerkennung der Rechte von Gefangenen gefordert. Tausende Männer, auch unbewaffnete Zivilisten, seien nach Festnahmen durch Truppen des langjährigen Machthabers Muammar al-Gadhafi verschwunden.

Einige seien jüngst freigelassen worden und hätten von Folter, schlechter Behandlung und Hinrichtungen in den Gefängnissen von Sirte und Tripolis berichtet. Gefangen genommene Jungen seien im Gefängnis Abu Slim in Tripolis vergewaltigt worden.

Den Rebellen warf die Menschenrechtsorganisation vor, ihre Gefangenen unter äußerst problematischen Bedingungen festzuhalten. Beispielsweise würden 125 Menschen in einer einzigen Zelle eingesperrt, ohne dass sie sich dort hinlegen oder bewegen könnten.

Amnesty International berichtete von einem 14-Jährigen, der misshandelt worden sei, nachdem er sich als Freiwilliger für die Gadhafi-Truppen gemeldet hatte. Ein Rebellenkämpfer habe ihm ins Knie geschossen und anschließend mit Gewehren verprügelt.

Rebellen suchen nach Söldnern Gadhafis

Zudem hielten die Rebellen zahlreiche Menschen aus Schwarzafrika mit der Begründung fest, es seien Söldner Gadhafis. Die Festgesetzten behaupteten, sie seien Gastarbeiter und lediglich aufgrund ihrer Hautfarbe gefangen genommen worden. Die Rebellen hätten ihnen mit ihrer "Beseitigung" oder der Todesstrafe gedroht.

Auch Reporter der Sender Al Jazeera und BBC berichteten von Gräueltaten auf beiden Seiten. Die Sender zeigten Bilder von Leichen mit auf dem Rücken gefesselten Händen, bei denen es sich um Anhänger von Gadhafi handeln soll.

Gadhafi-Anhänger leisten den Rebellen weiter erbitterten Widerstand. Die Auseinandersetzungen konzentrierten sich am Freitag auf die Umgebung von Gadhafis Heimatstadt Sirte und der Wüstenstadt Sebha im Süden des Landes. Aber auch Tripolis ist noch nicht voll unter der Kontrolle der Aufständischen.