Der Chef des Nationalen Übergangsrats der libyschen Rebellen hat Wahlen in acht Monaten angekündigt. Der italienischen Zeitung La Repubblica sagte Mustafa Abdel Dschalil, es werde Parlaments- und Präsidentschaftswahlen geben. Gewünscht sei eine "demokratische Regierung" und eine "gerechte Verfassung".

Vor allem wolle Libyen nicht mehr von der Welt isoliert sein. Das "neue Libyen" müsse sich von der Vergangenheit unterscheiden und auf den "Prinzipien von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit" aufgebaut sein. 

Was den praktisch entmachteten Regenten Gadhafi angeht, herrscht laut Dschalil die Meinung vor, dass ihm und seinen Mitstreitern in Libyen ein "fairer Prozess" gemacht werden solle. Dazu sollten die Anzuklagenden "lebend festgenommen" werden. Man solle sie anders behandeln, als Gadhafi seine Gegner behandelt habe.

Der langjährige Machthaber ist derzeit untergetaucht, meldetet sich aber per Audiobotschaft zu Wort. Er wird seit Juni per Haftbefehl wegen mutmaßlicher Verbrechen gegen die Menschlichkeit durch den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag gesucht.

Die Gadhafi-Ära sei bereits vorbei, auch wenn der frühere Machthaber noch nicht festgenommen und für die von ihm verurteilten Verbrechen verurteilt worden sei, sagte Dschalil.

Noch gebe es zahlreiche "Widerstandsnester" in der stark umkämpften Hauptstadt und eine starke Konzentration von Gadhafi-treuen Truppen im Gebiet von Sirte, aus deren Umgebung der bisherige libysche Machthaber stammt.

Der Koordinator des Nationalen Übergangsrats in Großbritannien, Guma al-Gamaty, versicherte, dass eine von den Rebellen gebildete Regierung die unter Gadhafi abgeschlossenen Verträge einhalten werde. In einem Interview der BBC sagte er, dass "alle, deren Hände nicht mit Blut befleckt" seien, "normal behandelt" würden.