Der Nationale Übergangsrat in Libyen lehnt die Entsendung internationaler Beobachter oder Soldaten nach Libyen ab. Es sei sehr eindeutig, dass die Libyer keine Stationierung von UN- oder anderer Soldaten wolle, sagte der Sonderbeauftragte der Vereinten Nationen, Ian Martin, nach einer Sitzung des UN-Sicherheitsrates.

Der Vorsitzende des Übergangsrates, Mustafa Abdel Dschalil, sagte, die Libyer wollen die Lage allein in den Griff bekommen. Der Rat sei mit ausländischen Mächten übereingekommen, dass keine weiteren Soldaten in dem nordafrikanischen Land benötigt würden. Zur Entsendung einer UN-Beobachter- oder Friedensmission ist die Zustimmung der libyschen Regierung oder aller Konfliktparteien notwendig.

Zuvor hatte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon die internationale Gemeinschaft zu schneller Hilfe für Libyen aufgerufen. Die humanitäre Situation erfordere dringendes Eingreifen. Besonders wichtig sei die Wasserversorgung, da etwa 60 Prozent der Bevölkerung ohne sanitäre Versorgung sei. "Mein Ziel ist es, sobald wie möglich UN-Mitarbeiter unter einem robusten Mandat vor Ort zu haben", sagte er vor dem UN-Sicherheitsrat in New York. 

Auch Frankreich forderte internationale Truppe

Frankreich hatte am gestrigen Dienstag die Europäische Union und insbesondere Deutschland aufgefordert, Beobachter als Hilfe für den Übergangsrat in das Land zu schicken. "Es braucht eine Wiederaufbautruppe, aber keine Interventionstruppe", sagte Außenminister Alain Juppé.

Frankreich hatte sich massiv am Militäreinsatz beteiligt, während sich Deutschland in der Abstimmung zum Einsatz enthalten hatte. "Wir haben unsere Rolle gespielt, jetzt sollen andere übernehmen", verlangte Juppé. Frankreich "wäre froh darüber", wenn Deutschland sich an einer Beobachtermission beteiligte.

Der Übergangsrat verhandelt derzeit noch mit den Truppen des untergetauchten langjährigen Machthabers Muammar al-Gadhafi. Die Rebellen geben den Anhängern des alten Regimes bis Samstag Zeit, die Waffen niederzulegen. "Länger können wir nicht warten", sagte Dschalil.

Um ein Blutvergießen zu vermeiden, sollten sie Gadhafis Heimatstadt Sirte friedlich übergeben. "Wir können die Situation militärisch lösen, aber das wollen wir nicht", sagte er. Auch in den wenigen anderen verbliebenen Regionen, die noch von Gadhafi-Getreuen kontrolliert werden, sollten sich die Kämpfer ergeben.