Der Maoist Baburam Bhattarai ist als neuer Regierungschef Nepals vereidigt worden. Er nimmt das Amt zwei Wochen nach dem Rücktritt des bisherigen Premierministers Jhalanath Khanal an. Damit werde Bhattarai der vierte Premierminister in vier Jahren, berichtet der britische Fernsehsender BBC.

Der nepalesische Präsident Ram Baran Yadav nahm Bhattarai im Präsidentenpalast in Kathmandu den Amtseid ab. Am Tag zuvor hatten 340 der 601 Parlamentsabgeordneten für Bhattarai gestimmt. Auf den Kandidaten der nepalesischen Kongresspartei, Ram Chandra Poudel, entfielen 235 Stimmen.

Bhattarais Vorgänger Khanal von der gemäßigten Kommunistischen Partei CPN-UML war Mitte August nach nur sechs Monaten im Amt zurückgetreten. Als Grund hatte er die mangelnde Unterstützung der verschiedenen politischen Parteien angegeben, die ihn daran hindere, eine neue Verfassung fertigzustellen und den Friedensprozess mit den Maoisten zu einem Abschluss zu bringen.

Die bereits mehrfach verschobene Frist zur Fertigstellung eines neuen Verfassungsentwurfs läuft Ende des Monats aus. Beobachter gehen jedoch davon aus, dass die Parlamentarier sich erneut auf eine mehrmonatige Fristverlängerung verständigen werden. Bhattarai machte dazu am Sonntag keine Angaben. "Meine Aufgaben sind die Vollendung des Friedensprozesses und die Ausarbeitung der Verfassung", sagte er.

Der neue Premierminister war während des zehnjährigen Bürgerkrieges der Stellvertreter des maoistischen Rebellenchefs Pushpa Kamal Dahal, genannt Prachanda. Dieser hatte nach den Parlamentswahlen 2008 ebenfalls mehrere Monate als Chef einer brüchigen Koalitionsregierung amtiert. Die Maoisten hatten die ersten freien Wahlen nach Ende des Bürgerkriegs gewonnen, allerdings fehlten ihnen wenige Stimmen für eine Alleinregierung.