In der libyschen Hauptstadt Tripolis wird die Versorgung mit lebensnotwendigen Dingen immer schwieriger. Am Freitagabend fiel der Strom aus, die "ganze Stadt ist schwarz", berichtete eine Agenturreporterin. Auch kommt kein Wasser mehr aus den Leitungen. In Tripolis erzählen sich die Menschen, die Versorgung sei aus Furcht vor vergiftetem Wasser unterbrochen.

Auch Nahrungsmittel sind nur schwer zu bekommen. Es gibt nur noch wenige Geschäfte, die frische Lebensmittel verkaufen. Vor den Geschäften, die noch Vorräte haben, bildeten sich lange Warteschlangen.

Die Kämpfe zwischen den Rebellen und letzten Anhängern des langjährigen Machthabers Muammar al-Gadhafi nahmen ab. Die Nachrichtenagentur dpa meldet unterdessen, dass Scharfschützen auf Journalisten geschossen hätten, die sich auf einem Dach eines Hotels aufhielten.

Tripolis war die letzte Machtbastion Gadhafis. Wo er sich derzeit befindet, ist unklar. Nachdem die Rebellen große Teile von Tripolis erobert hatten, verlegten sie den libyschen Übergangsrat von Bengasi in die Hauptstadt.

In den beiden verbliebenen Zentren des alten Regimes, Gadhafis Heimatstadt Sirte und der Wüstenstadt Sebha im Zentrum des Landes, gab es weiter Kämpfe.

Laut dem Chef des libyschen Übergangsrates, Mahmud Dschibril, hätten die Aufständischen inzwischen fast im ganzen Land die Oberhand. Nur die beiden Hochburgen sowie das südöstlich von Tripolis gelegene Bani Walid seien noch nicht unter Kontrolle, sagte er. Ziel sei es, die Städte ohne Blutvergießen einzunehmen. Britische Kampfjets bombardierten einen Bunker Gadhafis in Sirte, wo er sich versteckt haben könnte.

UN soll Aktionsprogramm koordinieren

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sieht enorme Herausforderungen in Libyen. Die Teilnehmer einer Videokonferenz mit Vertretern der EU, der Arabischen Liga und der Organisation der Islamischen Konferenz seien sich einig, dass die Krise in Libyen eine neue und entscheidende Phase erreicht habe und dass ein reibungsloser Übergang wichtig ist. Ban sagte, die Konferenzteilnehmer wollten ein effektives und gut koordiniertes Aktionsprogramm entwerfen, das die Vereinten Nationen entscheidend koordinieren sollen.

Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton rief die Konfliktparteien auf, keine Rache zu üben und die Menschenrechte zu achten. Gadhafi müsste weiteres Blutvergießen vermeiden, indem er die Macht abgebe und seine Anhänger dazu auffordere, die Waffen niederzulegen.

Zuletzt hatte amnesty international Gräueltaten beider Konfliktparteien angeprangert. Der Fernsehsender Al Jazeera zeigte Bilder von Leichen in Grünanlagen in dem noch am Donnerstag besonders heftig umkämpften Stadtteil von Tripolis, Abu Salim. Die Krankenhäuser seien mit den vielen Verwundeten überfordert.