Trotz andauernder Kämpfe mit Getreuen des langjährigen Machthabers Muammar al-Gadhafi hat der libysche Übergangsrat seinen Sitz von Bengasi in die Hauptstadt Libyen verlegt. Vizepräsident Ali Tarhuni gab bekannt, dass die politische Vertretung der Aufständischen von nun an in Tripolis arbeite.

Er kündigte an, dass der Präsident des Übergangsrates, Mustafa Abdul Dschalil, nach Tripolis kommen werde, sobald die Sicherheitslage dies zulasse. Am Donnerstag hatten acht Ratsmitglieder in einem Hotel in der Hauptstadt getagt, darunter die Verantwortlichen für Gesundheit, Kommunikation, Inneres, Justiz und Verteidigung. Am Freitag sollten sechs weitere Mitglieder dort eintreffen.

Tahuni sicherte allen Soldaten und Freiwilligen, die bis jetzt für Gadhafi kämpfen, Straffreiheit zu. "Wir rufen euch heute zum letzten Mal auf, eure Waffen niederzulegen, und wir versprechen euch, dass wir keine Rache üben werden", sagte Tarhuni. "Zwischen uns und euch steht das Gesetz."

UN-Sicherheitsrat gibt Milliarden frei

In New York stimmte der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen der Freigabe von 1,5 Milliarden US-Dollar zu. Vorgesehen ist, dass je ein Drittel an den Übergangsrat, an die internationale humanitäre Hilfe für Libyen und an einen Hilfsfonds gezahlt werden soll. Aus letzterem sollen Treibstoff und andere dringend benötigte Güter finanziert werden. Das Geld war bis dahin in den USA eingefroren.

Die Entscheidung wurde möglich, weil Südafrika in Verhandlungen mit den USA seinen Widerstand dagegen aufgegeben hatte. Damit war kein formelles Votum des Sicherheitsrates mehr nötig. Pretoria hatte sich widersetzt, weil es fürchtete, die Freigabe könne als automatische Anerkennung des Nationalen Übergangsrates der Rebellen durch die UN gewertet werden. Weder Südafrika noch die Afrikanische Union haben den Rat jedoch bislang anerkannt.

Der italienische Außenminister Franco Frattini kündigte an, Italien werde in der kommenden Woche 350 Millionen blockiertes Geld freigeben. Zuvor hatte ein Rebellenvertreter angekündigt, die Libyen-Kontaktgruppe wolle bis Mitte kommender Woche die Freigabe von 2,5 Milliarden Dollar forcieren.