Die Vorbereitungen sind längst im Gange: Palästinensische Emissäre stehen rund um den Globus im Einsatz, um die Zustimmung der UN-Vollversammlung für eine Resolution zu sichern, die Palästina als Staat in den Grenzen von 1967 anerkennt. Und genauso sind israelische Emissäre unterwegs, um gerade dies zu vereiteln. Am 20. September will Palästinenser-Präsident Machmud Abbas den Antrag in aller Form in New York vorbringen, während gleichzeitig Großdemonstrationen für einen eigenen Staat Palästina mit der Hauptstadt Ost-Jerusalem im Westjordanland unter dem Slogan "Palästina 194" – das wäre dann das nächste neue UN-Mitglied – geplant sind.

Wahrscheinlich wird zumindest dieser Teil der Rechnung aufgehen. Auch wenn Washington im entscheidenden Sicherheitsrat bereits sein Veto angekündigt hat, wird in der Vollversammlung die nötige Zweidrittelmehrheit für Palästina zusammenkommen.

Auf den ersten Blick müsste jeder das begrüßen, der Israels fortschreitende Einvernahme palästinensischen Landes einschränken – gerade sind weitere 1.600 israelische Wohneinheiten in Ost-Jerusalem zum Bau freigegeben worden – und den Palästinensern Rückenwind im Verhandeln mit dem sturen Besatzer geben will. Sie hätten eine solche Unterstützung mehr als verdient, nach den vielen Demütigungen der letzten Jahrzehnte, der achselzuckenden Gleichgültigkeit vieler Staaten ihrem Schicksal gegenüber und den jüngsten Anstrengungen der palästinensischen Verwaltung in Ramallah für den Aufbau eines funktionierenden Staatswesens.

Und dennoch trügt dieser Blick. Denn ein UN-Votum würde den Konflikt im Nahen Osten einer gerechten Lösung keinen Millimeter näher bringen. Die hängt nun einmal nicht davon ab, ob andere Staaten Palästina anerkennen, sondern ob Israel bereit ist, einem souveränen Staat der Palästinenser Lebensrecht zuzubilligen. Es gibt keine Anzeichen dafür, dass selbst eine Deklaration von zwei Dritteln aller UN-Staaten dazu beitragen würde.

Gewiss, es würde die wachsende internationale Isolierung Israels bekräftigen, und das ist auch der Grund für den Widerstand aus Jerusalem. Die Mischung von Warnungen und Drohungen, die mancher Politiker dort für den Fall eines palästinensischen Abstimmungserfolgs in der UN vorbringt, grenzt, so die liberale israelische Zeitung Haaretz , geradezu an Hysterie. Außenminister und Rechtsaußen Avigdor Liebermann sagt für den Tag nach der Abstimmung blutige Zusammenstöße im Westjordanland voraus und spricht sich für die Annulierung der Oslo-Verträge sowie den Abbruch aller Beziehungen zur palästinensischen Autonomiebehörde in Ramallah aus. Der Finanzminister Israels erwägt zudem die Einbehaltung von Zöllen und Steuern, die dieser Verwaltung zustehen, falls sie an ihrem UN-Vorhaben festhält.

Aber Nachteile für Israel sind eben nicht unbedingt Vorteile für Palästina. Wenn die Sorge vor internationaler Kritik und Isolierung ausreichte, um Israel zum Einlenken zu bewegen, hätte es längst Fortschritte in den israelisch-palästinesischen Verhandlungen gegeben. Stattdessen hat Israel auf Kritik von außen in der Regel mit Trotz reagiert. Im Bewusstsein, sich auf ein US-Veto verlassen zu können, wird in Jerusalem eine Resolution der Vollversammlung, die sowieso gern Israel-kritische Beschlüsse produziert, schon jetzt als irrelevant abgetan. Statt zu ernsthaftem israelischen Entgegenkommen wird sie, wenn das noch möglich ist, zu einer Verhärtung der israelischen Position führen.

Deswegen sollten die Regierungen, welche eine Palästina-Resolution befürworten, rasch umdenken, ob es nicht einen besseren Weg gibt, um Israel einer fairen Zwei-Staaten-Lösung näher zu bringen.