Westliche Interessenspolitik im arabischen Raum war bislang vor allem auf die Stabilität und Absicherung freundlich-gesinnnter Regime ausgerichtet. Eine Politik, die mehr von der Angst vor dem Unbekannten getrieben war als durch die Förderung westlicher Prinzipien der Selbstbestimmung, Demokratie und Menschenrechte. Diese Taktik mag zwar für autoritäre Verbündete und deren etablierte Eliten attraktiv erscheinen, hat jedoch Anti-Amerikanismus und anti-westliche Ressentiments, sowie Ängste vor westlichen Interventionen, Invasionen, Besatzungen und der Abhängigkeiten vom Westen im Allgemeinen gefördert.

Die Umbrüche in der arabischen Welt bieten daher eine Möglichkeit, die arabisch-westlichen Beziehungen neu auszurichten. In dem Bericht des Gallup-Institutes Egypt from Tahrir to Transition finden sich hierfür wichtige Erkenntnisse, gleichzeitig widerlegt er einige konventionelle Vorurteile, so etwa, dass die arabische islamische Kultur nicht kompatibel mit Demokratie sei oder dass autoritäre Regime als Bollwerke gegen Islamisten gebraucht würden.

Die Studie zeigt, dass sich das Ausmaß vergangener Eingriffe des Westens in die arabische Politik und deren Beeinflussung am Ende als Eigentor erwiesen und Misstrauen gesät haben. Zwei Drittel der befragten Ägypter befürchtet, dass die USA versuchen werden, sich in Ägyptens politische Zukunft einzumischen, anstatt die Entscheidung darüber der ägyptischen Bevölkerung zu überlassen. Ungefähr die gleiche Anzahl glaubt nicht, dass die USA ernsthaft daran interessiert sind, wirklich demokratische Regierungssysteme in ihrer Region zu fördern.

Daher wollen unter den Ägyptern insbesondere jene, die die demokratischen Prinzipien Amerikas am meisten bewundern, ihre politische Zukunft unabhängig formen können. Fast 90 Prozent der Ägypter, die die USA als politisches Vorbild für ihr Land betrachten, sprechen sich gegen die Vergabe US-amerikanischer Hilfsmittel an politische Gruppen in ihrem Land aus. Dies ist ein höherer Anteil als in der allgemeinen Öffentlichkeit (75 Prozent).

Die Angst vor einem neuen Iran

Vielleicht als ein Ergebnis dessen sprechen sich 52 Prozent der Ägypter generell gegen wirtschaftliche Hilfsmittel aus – und 43 Prozent jener, die das US-amerikanische Demokratie-Modell für Ägypten als Vorbild betrachten. Und laut einer Umfrage von Zogby International im Auftrag der Arab American Institute Foundation sehen die Befragten in den arabischen Ländern die USA nicht als eine Führungsnation an, sondern beurteilen US-amerikanische "Einmischung in der arabischen Welt" als größtes Hindernis für Frieden und Sicherheit im Nahen Osten (61 Prozent), noch vor der andauernden Besetzung palästinensischer Gebiete (60 Prozent).

Arabische Autokraten warnen regelmäßig davor, dass weite Teile der Bevölkerung Islamisten unterstützten und diese auch an die Macht bringen könnten. Doch in Ägypten waren die Aufstände eine auf breiter Basis stehende pro-demokratische Bewegung, die nicht von einer einzelnen Ideologie oder von religiösen Extremisten angetrieben wurden. Das, was geschah, war nicht der Versuch einer islamistischen Machtübernahme, sondern ein breit gefächerter Ruf nach Reformen.