Die albanische Opposition hat entschieden, ihren monatelangen Boykott der Parlamentsarbeit zu beenden. Oppositionsführer Edi Rama sagte, die Sozialistische Partei werde mit Blick auf Albaniens Beitritt zur Europäischen Union ihrer "nationalen Verantwortung" gerecht werden und ihre Parlamentsarbeit wieder aufnehmen.

Mitte Oktober wird die EU-Kommission einen Bericht zum EU-Beitrittsverfahren von Albanien vorlegen. Das Land hofft, Ende des Jahres offiziell den Status eines EU-Beitrittskandidaten zu erhalten. Im vergangenen Dezember hatte es die EU abgelehnt, Albanien den Kandidatenstatus zu geben. Einer der Kritikpunkte war die hohe Korruption im Land. Auch über die nach der Wahl 2009 entstandene politische Krise zeigte sich die EU besorgt.

Die Opposition hatte sich damals geweigert, den Wahlsieg von Ministerpräsident Sali Berisha anzuerkennen und eine Neuauszählung der Stimmen gefordert. Daraufhin hatten die Abgeordneten der Sozialistischen Partei alle Abstimmungen im Parlament boykottiert, die eine absolute Mehrheit erfordern. Mit der Blockade des Gesetzgebungsverfahrens hatten sie so auch den EU-Beitrittsprozess zum Erliegen gebracht. Die Opposition stand daher unter steigendem Druck, ihren Boykott zu beenden.