In Dänemark steht ein Machtwechsel bevor. Das Mitte-Links-Bündnis unter Führung der sozialdemokratischen Parteivorsitzenden und Spitzenkandidatin Helle Thorning-Schmidt setzte sich bei den Parlamentswahlen am Donnerstag gegen den Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen durch. Nach Auszählung fast aller Stimmen erreichte Thorning-Schmidts Koalition 89 der 179 Parlamentssitze, Rasmussens liberal-konservatives Bündnis kam auf 86 Mandate.

Rasmussen gestand noch in der Nacht seine Niederlage ein und kündigte an, bei Königin Margrethe II. seinen Rücktritt einzureichen. Seine rechtsliberale Partei Venstre hatte Dänemark zehn Jahre lang regiert.

Kleinere Parteien gewinnen Stimmen

Thorning-Schmidt hat den Erfolg auch Zugewinnen ihrer kleineren Partner zu verdanken. Die Sozialdemokraten wurden nach der Partei Venstre nur zweitstärkste Kraft und erzielten mit 24,9 Prozent der Stimmen noch 0,6 Prozentpunkte weniger als 2007 und damit ihr schlechtestes Ergebnis seit mehr als 100 Jahren. Thorning-Schmidt zeigte sich trotz des schlechten Abschneidens ihrer Partei selbstbewusst: "Wir haben es geschafft. Die Sozialdemokraten sind weiter eine große und tragende Kraft in Dänemark." Sie kündigte eine Politik der Mitte an, "bei der sich niemand ausgeschlossen fühlen muss".

Thorning-Schmidt will, wie bereits ihr Vorgänger Rasmussen, eine Minderheitsregierung bilden. Die Sozialdemokraten wollen dafür Koalitionsverhandlungen mit den Volkssozialisten (SF) und mit den Sozialliberalen (Radikale Venstre) führen. Die Parteien erhielten 9,2 und 9,5 Prozent der Stimmen. Die linke Einheitsliste, die mit jetzt 6,7 Prozent ihr Ergebnis von 2007 mehr als verdreifachen konnte, soll nicht direkt an der Regierung beteiligt werden, sondern als Mehrheitsbeschafferin fungieren. 

Venstre erhielten mit 26,7 Prozent der Stimmen zwar 0,4 Prozentpunkte mehr als bei den Wahlen 2007. Jedoch verloren die Konservativen, mit denen Rasmussen die Minderheitsregierung gebildet hatte, viele Stimmen. Während sie 2007 10,4 Prozent der Stimmen erhalten hatten, kamen sie nun nur noch auf 4,9 Prozent. Die aus anderen Gruppierungen neu gebildete Liberale Allianz erreichte 5 Prozent.

Die Mehrheitsbeschafferin der bisherigen Koalition, die rechtspopulistische Partei DF von Pia Kjaersgaard, bekam 12,3 Prozent im Vergleich zu 13,9 Prozent 2007. Die DF hatte im Gegenzug für ihre Unterstützung eine strenge Ausländerpolitik durchgesetzt. Dazu gehörten auch die im Juli wiedereingeführten Zollkontrollen an den Grenzen zu Deutschland und Schweden. Die Sozialliberalen und die Einheitsliste hatten sich im Gegensatz zu den Sozialdemokraten stets von der Ausländerpolitik unter der Mitte-Rechts-Regierung distanziert.