In den USA und weltweit wird an diesem Wochenende in Andachten und Trauerveranstaltungen der fast 3.000 Opfer der Terroranschläge vom 11. September vor zehn Jahren gedacht. Im Zentrum des Gedenkens steht wie in den Jahren zuvor das Erinnerungsritual am Ground Zero in New York, wo Al-Qaida-Terroristen zwei Passagiermaschinen in die Türme des World Trade Centers lenkten. Angehörige lasen dort die Namen der der 2977 Menschen vor, die vor zehn Jahren bei den Angriffen radikaler Islamisten auf die USA starben. Einige hielten Fotos der Getöteten in die Höhe.

Die Zeremonie am Ground Zero begann mit dem Singen der amerikanischen Nationalhymne und einer Prozession von Dudelsackspielern. Um 14:46 deutscher Zeit, dem Zeitpunkt, zu dem das erste Passagierflugzeug in das World Trade Center flog, wurde sie von einer Schweigeminute unterbrochen. Auf politischhe Reden wurde verzichtet. US-Präsident Barack Obama las aus der Bibel den 46. Psalm "Gott ist unsere Zuversicht und unsere Stärke". Er würdigte die Opfer des Anschlags: "Sie waren unsere Nachbarn, unsere Freunde, unsere Ehemänner, Ehefrauen, Brüder, Schwestern, Kinder und Eltern. Sie waren die, die zur Hilfe geeilt sind."

Neben Obama waren Ex-Präsident George W. Bush, New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg und dessen Vorgänger Rudolph Giuliani Hauptgäste der Andacht. Bush las aus einem Brief des früheren US-Präsidenten Abraham Lincoln an eine Mutter vor, die im Bürgerkrieg fünf Söhne verloren hatte. Schätzungen zufolge nahmen etwa 20.000 Menschen an der Gedenkveranstaltung in New York teil. "Es haben nicht alle aufs Gelände gepasst", sagte ein Offizieller. Im Innern der Gedenkstätte seien 5000 Menschen anwesend, draußen weitere 15.000, schätzte er.

Fünf weitere Schweigeminuten wurden noch abgehalten. Sie erinnerten an den zweiten Flugzeuganschlag auf das World Trade Center und an den Anschlag auf das Pentagon. Auch an den Absturz eines viertes Flugzeug in Shanksville im Bundesstaat Pennsylvania wurde erinnert.  Außerdem wurden zwei Schweigeminuten an den Zeitpunkten abgehalten, als der Südturm und später der Nordturm des World Trade Centers zusammenstürzte.

Gedenkpark für Familienangehörige eröffnet

Zum zehnten Jahrestag der Anschläge wurde am Ground Zero ein Gedenkpark für die Familienangehörige der Opfer eröffnet. Die Gedenkstätte besteht aus zwei Granitbecken, die in die viereckigen Fundamente der eingestürzten Zwillingstürme eingelassen sind und an deren Seitenwänden sich Wasserfälle ergießen. Auf Bronzeplatten sind die Namen der bei den Anschlägen Getöteten eingraviert. Obama flog nach seinem Besuch in New York nach Shanksville weiter, um dort an der Trauerfeier für die 40 Opfer teilzunehmen, die in dem entführten "Flug Nummer 93" den Terroristen Widerstand geleistet hatten.

Bereits am Vortag hatten die Ex-Präsidenten George W. Bush und Bill Clinton dort an einer Zeremonie teilgenommen. Am Pentagon in Washington, wo ebenfalls ein von Terroristen entführtes Flugzeug abgestürzt war, hatte Bush einen Kranz niedergelegt. An der Zeremonie nahmen auch sein damaliger Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und der heutige Pentagon-Chef Leon Panetta teil. In New York reihten sich zahlreiche Bewohner von Lower Manhattan in eine kilometerlange Menschenkette ein, bei einem Gedenkgottesdienst wurde an die 343 gestorbenen Feuerwehrmänner erinnert.