In Großbritannien beschäftigt sich ein Untersuchungsausschuss mit der Rolle des britischen Geheimdienstes in Libyen. Premierminister David Cameron sagte, es gebe "relevante Vorwürfe", dass die Zusammenarbeit der Geheimdienste unter der vorherigen Labour-Regierung zu eng gewesen sei.

Eine von der Regierung eingesetzte, unabhängige Untersuchungskommission kündigte an, den Anschuldigungen nachzugehen. "Wir werden uns so schnell wie möglich um Informationen der Regierung und der Nachrichtendienste bemühen", hieß es in einer Mitteilung.

Mehrere Zeitungen hatten am vergangen Samstag über enge Beziehung zwischen westlichen Geheimdiensten und dem Gadhafi-Regime berichtet. In Tripolis gefundene Dokumente deuten darauf hin, dass der MI6 Details über libysche Oppositionelle im Exil an Gadhafis Geheimdienst weitergeleitet hat. Außerdem soll er mutmaßliche Extremisten nach Libyen ausgeliefert haben. Nach Angaben von Menschenrechtsgruppen erwartete sie dort Folter.

Auch der US-Geheimdienst CIA arbeitete offenbar eng mit dem Gadhafi-Regime zusammen. Nach Informationen der New York Times belegen libysche Dokumente, dass die CIA unter anderem acht Mal Terrorverdächtige in das für seine Folterpraxis bekannte Land zur Befragung geschickt hat.

Wegen der mutmaßlichen Verwicklung der Geheimdienste beider Länder in seine frühere Festnahme forderte der Chef der Truppen der neuen libyschen Führung in Tripolis, Abdelhakim Belhadsch, eine Entschuldigung von den USA und Großbritannien. "Was mir passiert ist, war illegal und verdient eine Entschuldigung", sagte Belhadsch der BBC. Er war 2004 offenbar mit Hilfe beider Länder gefasst und nach Libyen gebracht worden. "Man hat mir etwas injiziert, mich an den Armen und Beinen an eine Wand gehängt und mich in einen von Eis umgebenen Container gesteckt", sagte Belhadsch dem Guardian. Er habe nicht schlafen dürfen und sei Lärm ausgesetzt gewesen. "Ich wurde regelmäßig gefoltert."

Wie aus libyschen Geheimdienstunterlagen hervorgeht, die von der Nachrichtenagentur AFP eingesehen werden konnten, stand der Einsatz zur Festnahme Belhadschs unter britischer Führung. "Das ist das Wenigste, was wir für euch tun können", schrieb ein britischer Vertreter demnach an den damaligen Spionagechef der langjährigen Führung von Muammar al-Gadhafi. Ausgeführt worden sein soll die Festnahme in Bangkok 2004 von Mitarbeitern des US-Geheimdienstes CIA. Nach seiner Übergabe an die libysche Führung saß der Oppositionelle – damals auch islamistischer Kämpfer – sieben Jahre lang in Haft.