In Zeiten, in denen Volksbewegungen die arabische Landschaft neu gestalten, schrumpft plötzlich die Macht des Iran, durch interne Spaltungen wie auch durch die anwachsende Gegenreaktion der Sunniten im arabischen Kernland. Nur ein Jahr zuvor, nach den Kriegen im Irak und in Afghanistan, schien sich Teheran machtpolitisch noch im Aufwind zu befinden. Das bedeutet jedoch nicht, dass sich das Land nicht doch noch zu einer ernst zu nehmenden regionalen Macht entwickeln könnte.

Zumindest in den Augen vieler westlicher Analysten hat sich die von Iran ausgehende Bedrohung noch nicht ernsthaft verringert. Ende Juni berichtete beispielsweise Robert Satloff vom Washington Institute for Near East Policy vor dem amerikanischen Kongress, dass die "von der Islamischen Republik Iran verfochtene Ideologie der schiitischen Vorherrschaft" weiterhin eine entscheidende Kraft in dieser Region darstellt und "Hegemonialstreben" widerspiegelt.

Auch wenn es unzweifelhaft zutrifft, dass von einem in die Ecke getriebenen Gegner die höchste Gefahr ausgeht, sind die Rückschläge für das Regime in Teheran mit dem Erwachen des arabischen Frühlings ein Faktum. Seit ihrer Gründung war es der regionale Anspruch der Islamischen Republik Iran, gegenüber der arabischen Welt eine weiche Macht darzustellen. Es ist nur drei Jahre her, dass bei Umfragen in arabischen Ländern, einschließlich Ägyptens, dem Libanon und Libyens, der iranische Präsident Mahmud Ahmadineschad als ihre weltweit beliebteste Führungsfigur genannt wurde.

Stimmungen zielgenau fokussiert

Darin spiegelte sich die Fähigkeit der iranischen Führung wider, von anti-amerikanischen und anti-israelischen Strömungen zu profitieren, wenn sie regionale Diktatoren als Strohmänner des Westens anprangerte und den Holocaust verleugnete. Die Aufstände in diesem arabischen Frühling haben gezeigt, welch wichtige politische Rolle die arabische Öffentlichkeit spielen kann, und wie zielgenau die Fokussierung des Iran auf die regionalen Bevölkerungen war.

Nun stellt sich die Frage, ob sich die neu erstarkten Volksbewegungen der arabischen Welt zu Irans Nemesis entwickeln. Bereits im März 2010, nur neun Monate nach der zweifelhaften Wiederwahl Mahmud Ahmadineschads und der blutigen Niederschlagung der grünen Bewegung im Iran, war laut Untersuchungen der Pechter Middle East Polls die Unterstützung für Ahmadineschad im Irak auf 17 Prozent gefallen.

Der erste wirkliche Rückschlag für die Islamische Republik durch den arabischen Frühling war im Februar 2011, als die geistlichen Führer die Aufstände priesen und die Amtsenthebung des tunesischen Ben Ali sowie die Besetzung des Tahrir-Platzes in Kairo ein "Islamisches Erwachen" nannten, ähnlich der eigenen Revolution gegen den Schah 1979.

Doch angesichts der Zerschlagung der grünen Bewegung im eigenen Land wurde diese Behauptung von arabischen Stimmen wie Al Jazeera schnell als heuchlerisch und offensichtlich falsch gedeutet. Besonders auch, da die arabischen Massen sich eher als eine breite und nicht ausschließlich islamische Bewegung verstehen. Die für gewöhnlich bestehende Fähigkeit Irans, rhetorisch zu manipulieren, hat nicht mehr funktioniert und sich gegen Teheran gewandt.