Israel droht damit, aller mit den Palästinensern geschlossenen Abkommen aufzuheben, falls sie beantragen, einen Palästinenserstaat in die Vereinten Nationen aufzunehmen. "Wenn die Palästinenser einseitig eine solche Entscheidung treffen, bedeutet das die Aufhebung aller Verträge", sagte Vizeaußenminister Danni Ajalon im israelischen Rundfunk. Ein Antrag der Palästinenser auf staatliche Anerkennung bei der UNO befreie Israel von allen seinen Verpflichtungen. Die Palästinenser müssten dafür die "vollständige Verantwortung" tragen.

Auf dem Spiel steht etwa Wirtschaftshilfe in Höhe von 700 Millionen bis einer Milliarde Euro, zu denen das Oslo-Abkommen von 1993 Israel verpflichtet ist. Sie macht zwei Drittel des Budgets der palästinensischen Autonomiebehörde aus.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hatte zuvor seine Absicht bekräftigt, sich noch im September um die Vollmitgliedschaft in den Vereinten Nationen zu bemühen. Der Aufnahmeantrag sei unvermeidlich und werde nicht zurückgenommen, sagte Abbas in einem Interview des ägyptischen Fernsehens. Er werde den Antrag, der die indirekte Anerkennung eines palästinensischen Staates bedeuten würde, am Freitag kommender Woche in die UN-Vollversammlung einbringen.

Bereits Israels Außenminister Avigdor Lieberman hatte die Palästinenser am gestrigen Mittwoch vor "harschen und gravierenden Konsequenzen" gewarnt. Die Palästinenser streben einseitig ihre staatliche Anerkennung durch die UNO in den Grenzen vor dem Sechs-Tage-Krieg von 1967 an, also mit dem Westjordanland, dem Gaza-Streifen und Ost-Jerusalem.

Amerikaner sprechen mit Abbas

Im Laufe des Donnerstags wollen zwei ranghohe Vertreter der USA mit Abbas konferieren. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton verlängerte ihre Reise durch die Region. Die Europäer sind uneins über das Vorgehen der Palästinenser, Deutschland ist gegen einen Alleingang.

Russland und China signalisierten ihre Zustimmung für den Plan der Palästinenser, die USA lehnen den Vorstoß ab. Aus ihrer Sicht kann die Anerkennung eines palästinensischen Staates nur am Ende von Friedensverhandlungen mit Israel stehen. Die USA kündigten ihr Veto im UN-Sicherheitsrat an. Bevor die Vollversammlung über einen Aufnahmeantrag entscheiden kann, muss der Rat zustimmen.

Aus Furcht vor gewaltsamen Demonstrationen hat Israel seinen Botschafter aus Jordanien vorübergehend abgezogen. Nach der Ankündigung pro-palästinensischer Proteste sei das diplomatische Personal vorzeitig nach Israel geholt worden. Die Mitarbeiter der Botschaft verbringen die Wochenenden regelmäßig zu Hause. Über die Rückkehr des Führungspersonals soll am Sonntag entschieden werden. Israel befürchtet Angriffe von Demonstranten auf seine Botschaft wie in Kairo in der vergangenen Woche.