Die Türkei will ihre Sanktionen gegen Israel verschärfen. Die Militärbeziehungen und die Zusammenarbeit in der Rüstungsindustrie mit Israel würden "komplett ausgesetzt", sagte der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan. Er kündigte auch einen Besuch im Gazastreifen an. Stattfinden könnte dieser während eines für den 12. September angekündigten Aufenthaltes Erdoğans in Kairo. Darüber müsse aber noch mit Ägypten gesprochen werden.

Erdoğan plant verstärkte Militärpräsenz

Vor einigen Tagen war zwischen beiden Staaten der Streit über die Gaza-Hilfsflotte eskaliert. Die Türkei hatte den israelischen Botschafter ausgewiesen, Militärabkommen ausgesetzt und die diplomatische Präsenz in Israel reduziert.

Auslöser war ein Untersuchungsbericht der Vereinten Nationen über den Angriff auf ein Schiff der Hilfsflotte für den Gazastreifen. Bei dem Angriff im Mai 2010 starben neun türkische Aktivisten. Israel wird in dem Bericht unverhältnismäßige Gewalt vorgeworfen. Allerdings wird die Seeblockade des Gazastreifens durch Israel als rechtmäßig bezeichnet. Israel lehnt eine Entschuldigung für den Einsatz ebenso ab wie die türkische Forderung, die Angehörigen der Opfer finanziell zu entschädigen und die Abriegelung des Gazastreifens zu beenden. Israel begründet die Blockade damit, es wolle den Waffenschmuggel in das Palästinensergebiet verhindern.

Erdoğan griff Israel nun erneut scharf an. "Immer spielt Israel die Rolle des verzogenen Sohnes", sagte er. Die Türkei stehe entschlossen gegen das Land, dessen Vorgehen den "Geruch von Staatsterrorismus" trage. Er plane auch eine verstärkte Militärpräsenz der Türkei im östlichen Mittelmeer. Die türkische Marine werde sich in diesem Gebiet ab sofort "sehr häufig" zeigen, sagte Erdoğan. Genauere Angaben machte er dazu nicht.

In seiner Rede hatte der Ministerpräsident gesagt, die Sanktionen beträfen alle Handelsbeziehungen. Sein Büro relativierte diese Äußerung jedoch später, nur die militärische Zusammenarbeit werde ausgesetzt. Ob die Türkei weitere Sanktionen einsetzen wird, ist noch offen.

Israel sieht trotz des Streits keinen Bruch in den beiderseitigen Beziehungen. Der für politische und Sicherheitsfragen zuständige Vertreter des israelischen Verteidigungsministeriums, Amos Gilad, sagte, der Beweis für das fortbestehende Verhältnis sei, "dass unser Militärattaché in Ankara auf seinem Posten bleibt und die konsularischen Dienste weiter arbeiten".