Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu bemüht sich im Streit um die Erstürmung der Gaza-Hilfsflotte darum, das Verhältnis zur Türkei wieder zu richten. "Wir respektieren das türkische Volk und seine Traditionen und wir wollen wirklich eine Verbesserung unserer Beziehungen", sagte er in einer Rede vor Angehörigen der israelischen Marine in der Hafenstadt Haifa.

Zugleich lobte Netanjahu die Marinesoldaten, die an dem tödlichen Angriff beteiligt waren. "Der Begriff der Gerechtigkeit ist der wichtigste strategische Trumpf Israels. Und im Namen der Gerechtigkeit sage ich euch, dass das israelische Volk, das euch auf diese Mission geschickt hat, stolz auf euch ist. Wir sind stolz auf euch." Die Spannungen der vergangenen Tage habe Israel allerdings nicht gewollt, sagte Netanjahu.


Die Türkei hatte in der vergangenen Woche den israelischen Botschafter ausgewiesen und die Militärkooperation mit Israel eingefroren. Auslöser war ein Untersuchungsbericht der Vereinten Nationen über die Erstürmung des türkischen Schiffs Mavi Marmara im Mai 2010, das einer Hilfsflotte für den Gazastreifen angehörte. Bei dem Angriff wurden neun türkische Aktivisten von israelischen Soldaten getötet. Der Einsatz des israelischen Elitekommandos wird in dem Untersuchungsbericht als "maßlos und unangebracht" kritisiert. Zugleich wird aber die Seeblockade des Gaza-Streifens durch Israel als rechtmäßig bezeichnet.

Türkei will mehr Militär im Mittelmeerraum stationieren

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan hatte zudem am Dienstag eine verstärkte Militärpräsenz im östlichen Mittelmeer angekündigt. Zudem sagte Erdoğan, er erwäge für kommende Woche einen Besuch im von Israel abgeriegelten Gaza-Streifen
. Die türkische Regierung fordert eine Entschuldigung und Entschädigungszahlungen für die Angehörigen der Getöteten. Diese Entschuldigung lehnt Israel jedoch weiterhin ab. Am Mittwoch hatte Verkehrsminister Israel Katz im israelischen Rundfunk gesagt: "Israel verteidigt seine Interessen und die Regierung wird sich nicht entschuldigen."

Die Nato will sich derweil nicht in den Streit zwischen Israel und der Türkei einmischen. Dies sei eine "bilaterale Angelegenheit", sagte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen. Er hoffe, "dass die beiden Länder Wege finden, die Spannungen zu mindern und eine positive Beziehung aufzubauen". Die US-Regierung hatte in den vergangenen Tagen versucht, den Streit zu schlichten. Die Vereinigten Staaten wollen, "dass diese beiden engen US-Verbündeten wieder in eine Position kommen, in der sie gut zusammenarbeiten", sagte die Sprecherin des Außenministeriums, Victoria Nuland.