Ein wichtiger Zeuge in einem Verfahren gegen mutmaßliche kosovarische Kriegsverbrecher hat nach Angaben der EU-Polizei- und Justizmission im Kosovo (Eulex) tot in einem Park in Deutschland gelegen. Nach örtlichen Medienberichten hatte Agim Zogaj, dessen Name bislang geheim gehalten worden war, unter anderem gegen Ex-Verkehrsminister Fatmir Limaj aussagen wollen. Er war demnach in ein Zeugenschutzprogramm aufgenommen und außer Landes gebracht worden. Deutsche Behörden ermitteln.

Ein Eulex-Richter hatte zu Monatsanfang Anklage gegen Limaj und neun weitere Verdächtige erhoben, der Prozess hätte im Oktober beginnen sollen. Die Angeklagten sollen in dem Gefangenenlager in Klecka, 30 Kilometer südlich der Hauptstadt Prishtinë, im ersten Halbjahr 1999 Kriegsverbrechen gegen Zivilisten und Kriegsgefangene verübt haben. Zogaj soll in Klecka unter Limajs Kommando gestanden haben.

Limaj, Parlamentsabgeordneter und Mitglied der im Kosovo regierenden Demokratischen Partei (PDK) von Ministerpräsident Hashim Thaçi, gehörte zu den bekanntesten Kommandeure der UÇK, die seinerzeit gegen die Streitkräfte des serbischen Präsidenten Slobodan Milošević für ein unabhängiges Kosovo kämpfte. In der vorhergehenden Regierung unter Thaçi, ebenfalls ein ehemaliger UÇK-Kommandeur, war Limaj Verkehrsminister. In einem Verfahren vor dem Internationalen Tribunal für das ehemalige Jugoslawien wegen anderer Kriegsverbrechen war er 2007 freigesprochen worden.