In Libyen haben die Gegner des gestürzten Machthabers Muammar al-Gadhafi dessen Spionagechef in der Hauptstadt Tripolis festgenommen, wie Augenzeugen der Nachrichtenagentur Reuters berichteten. Der Leiter von Gadhafis Auslandsgeheimdienst, Busaid Dorda, werde noch am Sonntag dem libyschen Übergangsrat ausgeliefert, sagte ein Rebellenkämpfer.

Der Chef des libyschen Übergangsrats, Mustafa Abdel Dschalil, hat erstmals seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gadhafi die Hauptstadt Tripolis besucht. "Er ist zurückgekehrt. Das ist ein historischer Moment", sagte ein Sprecher des Nationalen Übergangsrats NTC am Samstag. Dschalil werde nun die nächste Phase zum Aufbau eines neuen Libyens einleiten.

Zu Hilfe kommt ihm dabei das Angebot der G-8-Staaten, die arabischen Staaten nach den politischen Umwälzungen mit 38 Milliarden Dollar zu unterstützen. Dieses Geld werde Tunesien, Ägypten, Marokko und Jordanien zukommen, sagte der französische Finanzminister Fracois Baroin nach Beratung der sieben führenden Industriestaaten und Russland. Auch dem libyschen Übergangsrat werde angeboten, an dem Programm teilzunehmen. Die Mittel sollten bis 2013 vergeben werden.

Ein Vertreter des libyschen Übergangsrates war bereits zu dem Treffen in Marseille gekommen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erkannte den Übergangsrat als rechtmäßige Vertretung Libyens an. "Der Fonds hält sich bereit, den Behörden durch technische Unterstützung, politischen Rat und finanzielle Hilfe beim Aufbau der libyschen Wirtschaft zu helfen", sagte IWF-Chefin Christine Lagarde. Es gehe darum, eine "hochspannende Entwicklung" zu unterstützen, sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU).

Unter dem französischen Vorsitz hatten die G-8-Staaten im Mai im nordfranzösischen Deauville Hilfen für die Länder Nordafrikas und des Nahen Ostens beschlossen, die dort den demokratischen Wandel befördern sollen. Die Finanzhilfen wurden am Samstag auf über 20 Milliarden Dollar ausgeweitet. Durch bilaterale Hilfe könnte der Betrag nach Angaben Frankreichs sogar auf bis zu 80 Milliarden Dollar anwachsen. Die G-8-Finanzminister lobten die Pläne der Empfängerländer, die den "klaren Willen" gezeigt hätten, in ihren Völkern für mehr Wohlstand zu sorgen. Bedingung für die Unterstützung sind Reformen in Politik und Wirtschaft. Die Gelder werden vor allem in Form von Krediten vergeben.