Im Niger ist nach Angaben des Militärs ein Konvoi aus Armee- und zivilen Fahrzeugen aus Libyen eingetroffen. Die Kolonne sei durch die Stadt Agadez im Norden des Landes gerollt, hieß es aus Militärkreisen. Es gebe "anhaltende Gerüchte", dass sich auch der langjährige libysche Machthaber Muammar al-Gadhafi oder einer seiner Söhne in einem der Fahrzeuge befindet, sagte ein Militärvertreter.

Nigers Regierung widersprach den Gerüchten. "Das ist nicht wahr. Es handelt sich nicht um Gadhafi", sagte der nigrische Außenminister Mohamed Bazoum. Es seien "einige Persönlichkeiten mehr oder weniger wichtigen Ranges im Niger eingetroffen, das ist alles". Es sei aber niemand "aus der ersten Reihe" dabei, "am wenigsten Muammar al-Gadhafi und einer seiner Söhne".

Der Zug aus 200 bis 250 Fahrzeugen sei aus der Richtung der nigrischen Stadt Arlit an der Grenze zu Algerien gekommen, hieß es weiter aus Militärkreisen. Der Konvoi bewege sich auf die nigrische Hauptstadt Niamey zu. Auch ein Journalist eines privaten Radiosenders in Agadez berichtete über die vielen Fahrzeuge.

Ein Mitarbeiter der französischen Armee sagte, ihm sei berichtet worden, dass sich Gadhafi mit dem Konvoi auf dem Weg nach Burkina Faso befinde. Burkina Faso grenzt an Niger und hatte Gadhafi und seiner Familie Asyl angeboten.

Augenzeugen schilderten, in einem der Fahrzeuge habe auch ein ranghoher Vertreter der Tuareg gesessen, eines Nomadenvolkes, das während der Herrschaft Gadhafis den Machthaber unterstützte. Bereits zuvor hatten sich mehrere Gadhafi-Vertraute nach Angaben der Tuareg offenbar in den Niger abgesetzt.

Gadhafi laut Sprecher noch in Libyen

Zuvor hatte ein Gadhafi-Getreuer gesagt, der ehemalige Machthaber sei weiter in seinem Heimatland und guter Dinge. Gadhafi hatte mehrfach versichert, bis zu seinem Tod in Libyen zu kämpfen, wenn nötig. In mehreren Berichten hieß es jedoch, er werde möglicherweise in ein anderes afrikanisches Land flüchten. Seine engere Familie hatte sich bereits nach Algerien abgesetzt.

Einer seiner letzten Rückzugsorte scheint zudem kurz vor der Einnahme durch die Rebellen zu stehen. Nach tagelangen Verhandlungen fällt die Stadt Bani Walid vermutlich bald an die neue Regierung. Der arabische Sender Al Jazeera berichtete unter Berufung auf Rebellen, die Einheiten des Übergangsrates würden im Laufe des Tages in die Wüstenstadt einrücken.

Nach dem sechsmonatigen Bürgerkrieg halten Gadhafis Truppen nur noch wenige Städte.