Der langjährige libysche Machthaber Muammar al-Gadhafi hat in einer neuen Audiobotschaft Gerüchte über seine Flucht in das Nachbarland Niger dementiert. Wie der arabische Nachrichtensender Al Jazeera berichtete, bestritt der untergetauchte Diktator, sich in einem libyschen Militärkonvoi befunden zu haben, der die nigrische Grenze Anfang der Woche überquert hatte.

An der Kolonne sei nichts Besonderes gewesen. Es gebe eine Menge Transporte zwischen den Nachbarländern Libyen und Niger, habe Gadhafi in der von dem syrischen Sender Arrai TV ausgestrahlten Telefonbotschaft gesagt. Er sei außerdem überzeugt, dass die Nato besiegt werde. Gadhafi versicherte, dass die Angriffe gegen die "Ratten und Söldner" verstärkt würden, seinen Gegnern bleibe "nichts mehr als psychologischer Krieg und Lügen."

Am Dienstag hatte der libysche Nationale Übergangsrat gemeldet, dass ein großer Konvoi aus 200 Fahrzeugen die Grenze nach Niger überquert habe. Sowohl Niger als auch die USA wiesen aber Spekulationen zurück, nach denen sich Gadhafi oder einer seiner Söhne in der Kolonne befunden haben.

Nach Angaben des nigrischen Außenministers Mohammed Bazoum hat Gadhafi die Grenze zu Niger weder überquert noch um eine Einreisegenehmigung gebeten. Er hoffe weiter, dass Gadhafi nicht in sein Land komme. Bazoum bestätigte unterdessen die Einreise von Gadhafis Sicherheitschef Abdallah Mansur sowie eines "sehr wichtigen" Verantwortlichen des Geheimdienstes.

USA rufen Länder in der Region zu Wachsamkeit auf

Angesichts der Spekulationen über Gadhafis mögliche Flucht hat die US-Regierung Kontakt mit den Führungen in Mali, Burkina Faso, Mauretanien und dem Tschad aufgenommen. Die Grenzen sollten gesichert und Mitglieder des Gadhafi-Regimes festgenommen werden, sagte US-Außenamtssprecherin Victoria Nuland. Die Regierung von Niger sieht sich jedoch außerstande, seine Grenze zum nördlichen Nachbarn Libyen dichtzumachen. "Wir haben keine Mittel, die Grenze zu schließen", sagte Außenminister Bazoum der britischen BBC. 

Arabische Medien spekulierten derweil, Gadhafi könnte versuchen, über den Niger Burkina Faso zu erreichen. Meldungen, wonach dem Despoten dort Unterschlupf angeboten worden sei, wurden aber laut BBC von der Regierung des westafrikanischen Landes zurückgewiesen.

Wo sich der libysche Ex-Machthaber aufhält, ist weiter unklar. Am Mittwoch hatte ein Rebellensprecher dem Sender Libya TV gesagt, Kämpfer hätten ihn eingekreist, er könne nicht mehr fliehen. Auch Al Jazeera berichtete unter Berufung auf den Militärrat in Tripolis, es sei nur eine Frage der Zeit, bis der Despot gefangen genommen oder getötet werde. Dagegen wies ein Sprecher des Übergangsrates in Bengasi alle Spekulationen über Verstecke Gadhafis zurück. "Wir wissen es nicht. Es sind alles nur Theorien", sagte er.