Aus Waffenlagern in Libyen sind nach Medienberichten große Mengen an tragbaren Luftabwehrraketen verschwunden. Es wachse die Sorge, dass die vermissten Waffensysteme in die Hände von Terrorgruppen wie al Qaida gelangen könnten, berichtet die New York Times. Mit den Raketen, die von der Schulter abgefeuert werden, können Anschläge auf Flugzeuge verübt werden.

Noch sei unklar, ob al Qaida oder andere Terrorgruppen an die Raketen-Waffen gekommen seien, zitierte die Zeitung einen namentlich nicht genannten US-Offizier. Geheimdienste gingen aber davon aus, so der Bericht. Ein Reporter des Blattes fand in einem unbewachten Waffenlager der libyschen Hauptstadt leere Kisten, die als Verpackung für Flugabwehrraketen ausgezeichnet waren. Es habe sich um Raketen des russischen System SA-7 ("Strela") gehandelt, aber auch um solche des moderneren Nachfolge-Typus SA-24.

"Strela"-Raketen waren in letzter Zeit immer wieder auch bei den Aufständischen gesehen worden, die nunmehr die Macht fast im ganzen Land übernommen haben. Die US-Regierung habe die politische Führung der Rebellen aufgefordert, Waffenlager besser zu schützen, sagte John Brennan, Antiterror-Berater im Weißen Haus. Die Situation in Libyen bereite Sorge. Viele Teile des Landes seien derzeit ohne echte Kontrolle.

Gadhafi bestreitet Flucht nach Niger

Der untergetauchte Ex-Diktator Muammar al-Gadhafi trat derweil Spekulationen entgegen, er habe sich in das westafrikanische Nachbarland Niger abgesetzt. In einer Audio-Botschaft, die vom syrischen Fernsehsender Al-Rai ausgesendet wurde, bezeichnete er diesbezügliche Meldungen als "Lügen der psychologischen Kriegsführung". Er sei weiter in Libyen. Zugleich forderte er seine Landsleute ein weiteres Mal dazu auf, das Land "gegen alle Hunde und Verräter zu verteidigen, die in Libyen sind und das Land zu erobern trachten".

Zu Wochenbeginn war bekannt geworden, dass ein großer Konvoi mit Gadhafis Sicherheitschef Mansur Dau in Niger eingetroffen war. Die Behörden dort bestätigten dies, bestritten aber zugleich, dass Gadhafi oder einer seiner Söhne in dem Konvoi gewesen sei. Zuletzt hatte Burkina Faso, ein Nachbarstaat von Niger, den Gadhafis Asyl angeboten.

In Hinblick auf eine möglichen Flucht Gadhafis nach Westafrika riefen die USA die Länder in der Region zur Wachsamkeit auf. Die Grenzen sollten gesichert und Mitglieder des Gadhafi-Regimes festgenommen werden, sagte US-Außenamtssprecherin Victoria Nuland. Der derzeitige Aufenthaltsort Gadhafis ist unbekannt.